Allgemein /4. September 2008

Sinn oder Unsinn der Mobilen Telefonwelt?

Ein Test für die persönliche Eignung eines Kindes könnte sein, die Übersetzung des Wortes „Handy“ (gesprochen: Häändie) zu liefern. Wenn Sie als Eltern dann vor a) einem ahnungslosen Gesicht stehen. b) fassungslosen Entsetzen oder c) einem „is mir doch egal“, können Sie die Eignung genauso aberkennen wie bei Antworten „der soundso hat schon viel länger eines“.
Sarkasmus beiseite – Tatsache ist, dass wir vor 10 Jahren uns noch geärgert haben, wenn in der Oper plötzlich in einer Handtasche Klingeltöne tröteten und im Dunkel des Saales Hektik ausbrach. Heute sitzen wir in der Oper, trotz freundlicher Ansage des Intendanten wird nichts ausgeschaltet und ständig sucht mein Sitznachbar – eigentlich sah der doch ganz nett aus – in seiner Hose wegen des Vibrationsalarms. Der Babysitter … tja – vor 15 Jahren kam man einfach um Mitternacht heim und hat sich die Kalamitäten berichten lassen, heute ruft der Babysitter eben ständig an. Aber was hat das mit der Verantwortung für das Hääändiiee des lieben Nachwuchses zu tun?
Ganz einfach – Sie erziehen Ihre Kinder. Und so gehen die auch damit um. Sie sind das Vorbild. Wenn Sie im Restaurant Ihre Umgebung unterhalten, müssen Sie sich auch nicht wundern, dass die Kids aus der Nachbarschaft das auch tun.
Natürlich ist das kindliche Telefon in erster Linie nicht zum Telefonieren gedacht, sondern erfüllt viele andere wichtige Funktionen (Simsen, MP3, Video aufnehmen u.ä.). Ich denke, deshalb auch, ein 8-jähriges Kind braucht kein Telefon, denn vom Nachbars Spielplatz langt ein gebührenfreies WalkiTalki. Aufpassen müssen Sie sowieso, denn sonst sitzen Sie wegen Verletzung der Aufsichtspflicht beim Jugendamt und lassen sich Termine geben. Es gibt auch spezielle Kinder-Mobiltelefone, die nur wenige (Notruf)-Nummern anrufen können, aber eine Ortung zulassen, zum Beispiel, wenn das liebe Kleine dann doch nicht pünktlich zu Hause ist und man sich als Eltern langsam Sorgen macht. Ein 10-jähriges Kind hat bestimmt schon eine Menge Freunde mit eigenem Telefon. Bei einem 12-jährigen kommen Sie in die kritische Phase. Wenn Sie einfach NEIN sagen, ernten Sie frühpubertierende Patzigkeit und eventuell noch eine Diskussion mit der Schwiegermutter. Wenn Sie einfach JA sagen, haben Sie kein Argument für ein NEIN im Anschluss. Aber es gibt natürlich auch die Möglichkeit, seinem Kind einen sehnlichen Wunsch zu erfüllen und es nicht als Außenseiter in der Klasse oder Sportverein dumm aussehen zu lassen.
Heute mit den Kindern die Tarife diskutieren, den Zweck und Sinn eines Telefons und die Verdummung durch die entsprechende Werbung ist das eine – und auch nicht falsch, irgendwann müssen die Kinder das ja lernen. Aber ist es nicht auch nur natürlich, dass die – meistens doch recht glücklich verwöhnten – Kinder auch lernen sollten, dass die achtlos versimsten und vertelefonierten Einheiten von Mamas und Papas kargem Freizeit-Budget bezahlt wurden und damit dem Familienausflug mit Eiscreme für alle fehlen?
Auf Sie hören wird sowieso niemand . – also können Sie nur den Geldhahn beschreiben. Oder haben Sie eine bessere Idee, mit der wir alle was lernen können?