Allgemein /29. Oktober 2017

Genuss zwischen Herd und Posting

Es gibt nichts, was es nicht gibt, vor allem im Internet. Bestellte man früher seine Pizza eben schnell telefonisch beim Restaurant um die Ecke, geht man heute über Online-Plattformen. Die Auswahl ist groß, denn es handelt sich hier nicht um einzelne Restaurants. Die Plattformen arbeiten mit vielen Restaurants zusammen, die ihre Angebote so auch als Außer-Haus-Service vermarkten können.

Wandel der Essgewohnheiten in Deutschland

Während in den 1990er Jahren noch täglich in den Haushalten gekocht wurde, insbesondere in den Familien, passiert das heute immer seltener. Nicht einmal 50 % der Familien kochen heute täglich selbst, in den Großstädten wird der Herd oft über Wochen oder Monate nicht eingeschaltet. Die Frauen, die traditionell den größten Teil der Hausarbeit stemmen, sind zunehmen berufstätig, zumindest in Teilzeit. Es fehlt die Zeit, täglich frisch zu kochen. Denn mit dem Zubereiten der Mahlzeit alleine ist es ja in der Regel nicht getan. Es muss eingekauft und gelagert werden, nach dem Essen muss aufgeräumt werden, der Abwasch wartet. Insgesamt nimmt die Zubereitung von Mahlzeiten durchaus einiges an Zeit in Anspruch.

Zu dem inzwischen normalen Spagat zwischen Familie und Berufsleben kommt der zunehmende Arbeitsdruck. Die wenigstens Tätigkeiten sind mit der üblichen Stundenzahl im Betrieb abgehandelt, heutzutage sind die meisten Berufstätigen nach Feierabend noch telefonisch und per E-Mail im Dienst. Das trägt nicht gerade zu einem entspannten Alltag bei, vor allem bei jungen Familien ist die Situation schwierig. Noch schwerer haben es die immer mehr werdenden Alleinerziehenden. Alleinlebende sieht eher selten einen Sinn darin, für sich alleine aufwändige Mahlzeiten zuzubereiten.

Große Auswahl regionaler Restaurants

Die Plattformen im Internet arbeiten mit den Restaurants vor Ort zusammen. Sie nehmen deren Speisekarte und Preise in ihre Sortimente auf, sie kennen den Standort der Restaurants. Wer im Internet Essen bestellen will, kann also ganz einfach die eigene Postleitzahl oder den Ortsnamen angeben. Angezeigt werden nur Angebote im näheren Umkreis. Noch angenehmer für die Hungrigen: Sie können international wählen, je nachdem, was sie essen wollen. Thailändisch, Chinesisch, Türkisch, Italienisch oder Deutsche Küche – das Angebot ist groß. Da die Plattformen teilweise eigene Lieferdienste unterhalten, benötigen die Restaurants oft keinen Außer-Haus-Service. Das übernimmt unter Umständen die Plattform. Für die Restaurants ergeben sich dadurch Vorteile: Sie können Umsatz steigern und Bekanntheitsgrad steigern. Wer schon einmal das Angebot eines  Restaurants online bestellt hat und zufrieden war, wird das Lokal vielleicht auch irgendwann persönlich aufsuchen.

Und genau damit rechnen auch die Plattformen. Der Trend geht schon seit einigen Jahren weg von autonomen, selbstgeführten Haushalten,  hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft, die alle Bedürfnisse an Diensten im digitalen Bereich befriedigt. Essen im Internet zu bestellen ist da nur eine logische Entwicklung.

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Gesundes Essen, exotische Mahlzeiten oder andere Sonderwünsche

Wer sich beispielsweise aus gesundheitlichen oder ideologischen Gründen vegetarisch, vegan, paleo oder Lactose frei ernährt, kann im Restaurant Probleme bekommen. Nicht alle Gastronomiebetriebe sind auf diese Art von Sonderwünschen eingestellt. Lieferheld bietet die Möglichkeit, auch in ganz besonderen Fällen noch ein wenig Auswahl zu finden. Es kann durchaus nach besonderen Ernährungsweisen gesucht werden, von Clean Eating über Paleo bis hin zu Vegan ist alles möglich. Die Plattformen mit ihren Lieferdiensten versuchen, ihr Angebot so vielfältig wie möglich zu gestalten: vom Edel-Burger, Gourmetgerichten  bis zu Allergiker-freundlichen  Mahlzeiten ist alles dabei.  Das kommt der anspruchsvollen Kundschaft entgegen.

Und auch da haben sich die Lieferdienste schon als überaus praktisch erwiesen: Wer auf eine besondere Ernährungsweise Wert legt, hat im stressigen Berufsalltag eher selten die Zeit, fünf verschiedene Geschäfte auf der Suche nach den passenden Zutaten für das Abendessen abzuklappern. Im Internet ist es einfach: Plattform aufrufen, Standort und Essenwunsch eingeben, auswählen und bestellen. Innerhalb kurzer Zeit wird die Mahlzeit bis an die Haustür geliefert, wahlweise an den Arbeitsplatz, wenn man noch spät abends im Büro ist.

Der Blick über den Tellerrand

Kinder essen nicht alles. Die Kleinen entwickeln ihre ersten starken Vorlieben und Abneigungen eigentlich immer beim Thema Essen: den eigenen Dickkopf durchsetzen, Mama beweisen, dass man auch drei Wochen am Stück nur Nudeln essen kann, sich über Essenswünsche ein Stück eigene Identität schaffen. Da ist es irgendwie verständlich, dass nach einem Tag im Büro, der Herd kalt bleibt. Da können Online-Lieferservice- Angebote ab und an den „friedensstifend“ sein. Denn hier locken Fotos der Mahlzeiten, das Angebot ist groß, und auch für den Nachwuchs ist mit Sicherheit etwas Passendes dabei.

 

Auswirkungen auf die Infrastruktur

Was dem einen gut tut, ist für den anderen schlecht. Da, wo immer mehr Menschen auf selbst zubereitete Mahlzeiten verzichten und stattdessen im Netz bestellen, können sich Supermärkte nicht halten. Sie verschwinden, weil der Umsatz nicht mehr stimmt. Das ist in einigen Gebieten der Großstädte schon der Fall, wohl nirgends aber so extrem wie in Mainhattan. Hier wird fast jede Mahlzeit von einem Lieferdienst gebracht. Es gibt fast keinen Supermarkt mehr, und wer tatsächlich ein frisches, rohes Nahrungsmittel sucht, muss entweder hohe Preise zahlen oder den Bauernmarkt weit außerhalb der Stadt besuchen. Naturbelassene Nahrungsmittel werden so zum Luxusgut. Aber das steht in Deutschland zum Glück noch nicht zur Debatte.