Allgemein /16. November 2017

Von guten und bösen Geschenken

Weihnachten steht vor der Tür und auch in diesem Jahr werden Smartphone, Tablet & Co. bei vielen Kindern wieder ganz oben auf dem Wunschzettel stehen.

 

Elekronische Geschenke – ja, nein, vielleicht?

Die Antwort darauf fällt unterschiedlich aus. Je nachdem, wen man fragt.

Tatsache ist, hierzulande verschlingt die Beschäftigung mit diesen Medien etwa 5,5 Stunden täglich; das ist mehr als der durchschnittliche Unterricht in der Schule. Bereits Kinder im Krippen- und Kita-Alter sitzen mindestens 30 Minuten pro Tag an einem mobilen Endgerät. Während die Digitalisierung unumstritten in allen Wirtschaftsbereichen voranschreitet, bleibt allerdings das Bildungssystem weitestgehend auf der Strecke. Kaum ein Thema wird so gegensätzlich diskutiert, wie die Tatsache, ob unsere Kinder nun mit digitalen Medien so früh wie möglich in Kontakt gebracht werden, oder so lange es geht davon ferngehalten werden sollen.

 

Manche Experten, Lehrer und Eltern, meinen, Bytes & Co sollten aus der Kindheit verbannt werden. Ein Leben „online“ behindert nicht nur das Lernen und die Konzentration, sondern auch das soziale Verhalten. Es ist wichtiger, Erfahrungen in der realen Welt zu sammeln, im Sand zu buddeln, sich mit Freunden zu treffen, draußen zu spielen, oder sich einfach mal zu langweilen.

Schon Säuglinge können nach einer Studie (BLIKK) Fütter- und Einschlafprobleme entwickeln, wenn die Eltern bei der Betreuung parallel digitale Medien nutzen. Kinder bis zum sechsten Lebensjahr, die intensiv (mehr 30 min/tgl.) daddeln, haben Schwierigkeiten sich zu konzentrieren und liegen in der Sprachentwicklung zurück. Eine besondere Auswertung von Daten der Pisa-Studie hat ergeben, dass ein Computer zu Hause bei Heranwachsenden mit schlechteren Schulnoten einhergeht. Oder anders ausgedrückt: Wenn also vormittags im Mathe- oder Englisch gelangweilt wenig gelernt worden ist, dann sorgt der Umgang mit der Playstation am Nachmittag dafür, dass das wenige, das am Vormittag dennoch hängenblieb, regelrecht gelöscht wird.

Lernen findet im Leben nicht am Computer statt. Nur wenn es auf echten Erfahrungen basiert, ist Wissen nachhaltig.

 

Und es gibt Experten, Lehrer und Eltern die denken, dass Computer sehr wohl in Kinderhände gehören. Nicht, weil draußen spielen oder Freunde treffen unwichtig ist. Im Gegenteil. Aber die Digitalisierung im Leben unserer Kinder wird eine immens wichtige Rolle spielen. Wir bereiten Kinder auf Berufe vor, die es noch gar nicht gibt; Technologien nutzend, die noch nicht erfunden sind; um Probleme zu lösen, die wir heute noch nicht kennen. Zu guter Bildung im 21. Jahrhundert gehören IT-Kenntnisse und der souveräne Umgang mit der Technik und den Risiken digitaler Kommunikation ebenso wie das Lernen mittels der vielen Möglichkeiten digitaler Medien dazu.

Und so ist das Angebot an geeigneten und geprüften mobilen Spielen und Filmen / Sendungen sowie guter Lernsoftware für Kinder aller Altersgruppen riesig. Im Hinblick auf die Kontrolle der Inhalte, die mobil wiedergegeben werden, ergibt sich jedoch ein gemischtes Bild. Für uns als Eltern ist das Smartphone so präsent im Alltag, dass wir schon nicht mehr wissen, wie es ohne mal war. Dass es aber einen bewussten Umgang damit und vor allem ein bewusstes Heranführen der Kinder braucht, dass müssen wir uns erstmal klarmachen. Wir müssen uns auch bewusst sein, dass wir unter ständiger Beobachtung stehen und Vorbildfunktion haben. Und wenn wir eben alle vier Minuten aufs Smartphone gucken, dann übernimmt der Nachwuchs das genauso.

 

© Vitalinka/fotolia.de

 

Bevor Sie sich entscheiden

Was wünschen Sie sich also für ihr Kind, wenn es durch die Tür hinaus in die virtuelle Welt tritt? Welche Werte soll es im Gepäck haben? Welche Abenteuer soll es erleben? Welche Entdeckungen machen?

Und wann genau ist der richtige Zeitpunkt, seinem Kind die Werkzeuge für die virtuelle Welt in die Hand zu geben? Und welche? Hier sind die Eltern gefragt, denn jedes Kind ist einzigartig. Jedes Kind hat seine eigenen Bedürfnisse.

Fragen Sie Ihr Kind, warum es sich diesen speziellen Schlüssel zur den digitalen Weiten wünscht. Was es sich verspricht. Was mögliche Alternativen wären. Werten Sie nicht! Hören Sie nur zu! Und lassen Sie sich die Lieblingsspielplätze zeigen. Versuchen Sie, sich hineinzuversetzen und auch die Faszination zu sehen, nicht nur die Gefahr. Wir als Eltern möchten unseren Kindern Selbstvertrauen, Neugierde, Gespür für Situationen und Regeln und Empathie mit auf den Weg zu geben. Warum nicht auch für die virtuelle Welt?

Wie auch immer Sie sich entscheiden – eines sollten Sie Ihrem Kind auf jeden Fall schenken: Zeit. Zeit mit Ihnen. Um miteinander zu reden, miteinander zu spielen, miteinander zu entdecken. Und das in der richtigen Mischung aus digital und analog. Der Mix macht’s.

 

Gute Geschenke, böse Geschenke. Und schon stecken die Weihnachtsmannhelfer im Dilemma. Dabei sind es alles erst einmal nur Wünsche.