Wirksamstes Mittel gegen Armut ist Bildung


Während bei uns noch diskutiert wird – hat Großbritanniens ein Konzept namens „early excellence“ umgesetzt. Nach den medienwirksamen Gewalt-Toden von Kleinkindern zur Jahrtausend-Wende in England und der Debatte über die Leistungsfähigkeit der Sozial- und Jugendämter,

reagierte die Labour-Party mit dem neuen Betreuungs-Konzept „early excellence“. Es klingt nach Hochbegabtenförderung und Auslese, doch der Ansatz ist genau spiegelverkehrt. Gefördert wird nach den drei Grundsätzen „jedes Kind ist exzellent, Eltern sind die besten Fachleute für ihre Kinder und die Kindertagesstätten sollen die Erziehungskompetenzen der Eltern stärken“ insbesondere bei einkommensschwachen Familien, sozialen Brennpunkten, Stadtteilen mit hohem Migrations-Anteil.

In der Kindertagesstätte kommt auf drei Babys ein Erwachsener, nicht selten mit Studium, die Öffnungszeiten sind von frühmorgens bis spät abends. Beobachtet wird bei den Kindern nicht wie üblich das Defizit des Kindes, sondern die zu fördernden Stärken. Eltern und Erzieher müssen dem Grundsatz nach eng kooperieren, hierzu erhalten die Eltern Möglichkeit durch Beratungsgespräche, Kurse, Vorsorgeuntersuchungen.

Der Lernerfolg ist messbar: in der ersten größeren Längsschnittstudie in Europa „Effective Provision of Preschool Education“ (EPPE) wurde empirisch erwiesen, dass eine hochwertige Vorschul-Erziehung einen positiven Effekt auf die kognitive und soziale Entwicklung hat.

Insbesondere der Nachwuchs aus sozial schwachen Familien und aus Einwandererfamilien profitierte davon. Als besonders bedeutsam erwies sich die Qualität der häuslichen Erziehung für die intellektuelle Leistungsfähigkeit – der Einfluss der Schichtzugehörigkeit der Eltern war geringer unter der Anleitung der Erzieher, den Kindern zusätzliche Bildungsangebote zu machen.

In Deutschland fasst das „early excellence“-System nur mühsam Fuß. In Berlin fördert die Heinz- und Heide – Dürr-Stiftung das Kinder-und Familienzentrum Schillerstraße. Die in Bensheim ansässige Karl-Dübel-Stiftung fördert das Kifaz in Frankfurt-Fechenheim. Letzteres ist heute schon mehr als nur ein Kindergarten in einem sozial schwachen Umfeld. Es hat eine eigene Bibliothek, Vorlesestunde, Musik, Eltern-Kind-Aktivitäten und es bestehen Ausbildungs-Möglichkeiten für die Eltern zur Tagesmutter / Tagesvater. Ein Elterncafe gibt es auch – mancher Rat kann so einfach sein.

Übrigens: „early excellence“ wurde aufgrund des nachweislichen Erfolges von der neuen Regierung aus Konservativen und Liberalen nach anfänglichen Befürchtungen nicht mit einer Budget-Reduzierung konfrontiert. Die Ressorts Erziehung und Gesundheit sind von Einschnitten derzeit noch verschont.

 

Quelle: FAZ 05.07.2010

Geschrieben von Eva Tiedke-Trimborn

 

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