Pollen im Anflug

Etwa 20 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Heuschnupfen. Unbehandelte Allergien bergen das Risiko eines Etagenwechsels. Was bedeutet das: Bei einer Pollenallergie kann sich die Allergie von den oberen auf die auf die unteren Atemwege ausbreiten – fast jeder dritte unbehandelte Pollenallergiker entwickelt ein allergisches Asthma. Eine Pollenallergie sollte daher immer richtig austherapiert werden.

 

Niesen und Augenjucken

Gegen die typischen Symptome helfen so genannte Anti-Histaminika, die es in Tabletten-, Spray- oder Tropfenform frei erhältlich in jeder Apotheke gibt. Juckende Augen lassen sich durch anti-allergische Augentropfen beruhigen. Die verstopfte Nase wird durch abschwellende Nasentropfen wieder frei.

Wichtig: Wegen der Gefahr eines Gewöhnungseffektes dürfen Nasentropfen nicht länger als 10 Tage angewendet werden! Kortisonspray führt nicht zur Gewöhnung und kann ohne Nebenwirkungen auch langfristiger angewendet werden.

Spezifische Immuntherapie

Wer seine Allergie dauerhaft loswerden möchte sollte eine Hyposensibilisierung oder eine spezifische Immuntherapie machen. Hierbei wird vorab getestet, auf welche Pollen der Patient allergisch reagiert. Anfänglich werden ihm die Allergene wöchentlich in steigender Konzentration verabreicht, später nur noch monatlich, bis der Körper sich ausreichend an sie gewöhnt hat. Die Therapie dauert ca. drei Jahre. Ihre Erfolgsaussichten sind hoch und die Kosten werden von der Krankenkasse übernommen.

 

Neue Therapieformen

Bisher werden Allergieextrakte in der pollenfreien Saison unter die Haut gespritzt. Inzwischen gibt es aber andere Behandlungsformen, wie Tropfen oder Tabletten, die unter die Zunge gelegt werden. Ein neuer Trend in der Allergietherapie ist die Impfung zum Saisonstart. Manche Tropfenpräparate können auch kurz vor oder während der Pollensaison eingenommen werden. Schweizer Forscher versuchen zurzeit das Immunsystem mithilfe eines Pflasters an die Pollen zu gewöhnen. Es wirkt ähnlich wie ein Nikotin- oder Hormonpflaster.

Alternativmedizin bei Heuschnupfen

Alternative Heilmethoden zur Behandlung von Pollenallergie werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen und müssen selber bezahlt werden. Allerdings haben die Krankenkassen einen gewissen Spielraum, welche Behandlungen sie erstatten. Aus Kulanz übernehmen einige zum Beispiel die Kosten für homöopathische Arzneimittel, wenn der Patient ein Rezept eines homöopathisch ausgebildeten Arztes mit Kassenzulassung vorweisen kann. So kann beispielsweise Akkupunktur die Allergiebeschwerden lindern.

Weitere Informationen:

Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V. (DAAB)
Fliethstraße 114
41061 Mönchengladbach

http://www.daab.de/

Smartphone-App Allergietagebuch: MACVIA-ARIA Allergietagebuch

https://itunes.apple.com/de/app/macvia-aria-allergietagebuch/id983596216?mt=8

Pollenflugvorhersage Deutscher Wetterdienst

http://www.dwd.de/DE/leistungen/gefahrenindizespollen/gefahrenindexpollen.html

Bayerischer Rundfunk: Welche Therapien gibt es?

http://www.br.de/themen/ratgeber/inhalt/gesundheit/heuschnupfen-therapien100.html

 

Beitrag des ARD Morgenmagazins vom 21.03.17 mit Prof. Dr. med. Martin Wagemann

Prof. Dr. med. Martin Wagenmann ist geboren am 12.12.1963 in Mannheim, ist verheiratet und hat 4 Söhne. Er studierte Humanmedizin in Heidelberg und Mannheim und ist HNO-Arzt und Allergologe und Geschäftsführender Oberarzt, Leiter des Schwerpunkts Rhinologie, Allergologie und Endoskopische Schädelbasischirurgie und Leiter des Forschungslabors der HNO-Klinik sowie stellvertretender Sprecher des UniversitätsAllergieZentrums.