Initiative „Schule gegen sexuelle Gewalt”

Hessen unterstützt die Bundesinitiative „Schule gegen sexuelle Gewalt“

„Wie gehen wir an, was alle angeht?“ und „Wer hilft mir helfen?“ – Diese und weitere Fragen beantwortet die bundesweite Initiative „Schule gegen sexuelle Gewalt“, die der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM), Johannes-Wilhelm Rörig, gemeinsam mit dem hessischen Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz am 21. Februar 2017 in Wiesbaden gestartet hat.

Damit ist Hessen nach Nordrhein-Westfalen das zweite Bundesland, das seinen Schulen beim Umgang mit dem schwierigen Thema sexueller Kindesmissbrauch fachliche Unterstützung gibt und sie dazu ermutigt, eigene und passgenaue Konzepte zum Schutz der Kinder und Jugendlichen vor sexueller Gewalt zu entwickeln. Inzwischen beteiligen sich auch Schleswig-Holstein und Hamburg an der Initiative, alle weiteren Bundesländer werden bis Ende 2018 ebenfalls folgen.

 

Eines von vier Plakatmotiven der Initiative „Schule gegen sexuelle Gewalt“, © UBSKM

 

Sexueller Kindesmissbrauch gehört noch immer zum Grundrisiko einer Kindheit in Deutschland. Fachleute und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehen davon aus, dass sich in jeder Schulklasse rund ein bis zwei Mädchen und Jungen befinden, die sexuelle Gewalt erlitten haben oder aktuell erleiden – meist in der Familie, im sozialen Umfeld, aber auch in Schulen, Sportvereinen und anderen Einrichtungen, häufig durch andere Jugendliche und Kinder und in immer stärkerem Maße durch die digitalen Medien.

 

Schule ist ein bedeutender Ort für den Kinderschutz. Hier erreichen wir nahezu alle Kinder und Jugendlichen.

 

Mit der Initiative „Schule gegen sexuelle Gewalt“ wollen der Unabhängige Beauftragte und die Kultusbehörden der Länder erreichen, dass alle 30.000 Schulen in Deutschland Konzepte zum Schutz vor sexueller Gewalt entwickeln und diese zum gelebten Alltag einer jeden Schule werden. Damit können Schulen einerseits zu Orten werden, an denen betroffene Schülerinnen und Schüler Hilfe finden, und andererseits dafür sorgen, dass Missbrauch in der Schule keinen Raum hat.

 

Konzepte zum Schutz vor sexueller Gewalt geben gleichzeitig den Schulleitungen, Lehrkräften und anderen schulischen Beschäftigten Sicherheit im Umgang mit sexueller Gewalt und beantworten Fragen wie: Was sollte jede Pädagogin und jeder Pädagoge über sexuellen Missbrauch wissen? Welche Gegebenheiten können Täter und Täterinnen ausnutzen? An wen wende ich mich im Falle einer Vermutung oder eines Verdachts? Wie sieht ein Umgang mit Mädchen und Jungen aus, der ihre Grenzen achtet?

 

Schutzkonzepte sind ein Qualitätsmerkmal für gelebten Kinderschutz. Mit ihnen werden Schulen zu Kompetenzorten.

 

Die Initiative „Schule gegen sexuelle Gewalt“ bietet Schulleitungen, Lehrerinnen und Lehrern sowie dem pädagogischen Fachpersonal Materialien, die der Unabhängige Beauftragte gemeinsam mit den Kultusbehörden der Länder und Fachleuten aus Wissenschaft und Praxis erarbeitet hat. In der Infomappe finden Schulleitungen und Lehrkräfte Einstiegsmaterialien. Diese informieren, aus welchen Bestandteilen ein Schutzkonzept bestehen sollte und zeigen auf, welche Schritte eine Schule unternehmen kann, um das Thema sexuelle Gewalt im Kollegium, mit Eltern und mit Kindern anzusprechen.

 

Die Infomappe wird durch das Fachportal www.schule-gegen-sexuelle-gewalt.de ergänzt. Das Fachportal ist ein praxisnahes Nachschlagewerk und bündelt das aktuelle Wissen zu Schutzkonzepten an Schulen. Über das jeweilige Länderwappen können länderspezifische Angebote und Informationen, die die Kultusbehörden der Länder in eigener Zuständigkeit einpflegen, abgerufen werden.

Infomappe und das Fachportal www.schule-gegen-sexuelle-gewalt.de informieren zu Schutzkonzepten und landesspezifischen Angeboten, ©UBSKM

Infomappe und das Fachportal www.schule-gegen-sexuelle-gewalt.de informieren zu Schutzkonzepten und landesspezifischen Angeboten, ©UBSKM

„Schule gegen sexuelle Gewalt“ steht auf einem breiten Fundament, die Initiative wird unterstützt von der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), von dem Verband für Bildung und Erziehung (VBE), den Lehrerverbänden und den Freien Schulträgern sowie vom Bundeselternrat und dem beim Unabhängigen Beauftragten angesiedelte Betroffenenrat.

 

 

Johannes-Wilhelm Rörig, © Christine Fenzl

Der Beauftragte und sein Amt:

Johannes Wilhelm Rörig ist seit Dezember 2011 Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM). Er ist Diplom-Betriebswirt (FH) und Volljurist und  war von 1991 bis 1993 Leiter des Büros der Bürgermeisterin von Berlin und Senatorin für Arbeit und Frauen. Von 1993 bis 1998 war er als Richter am Arbeitsgericht in Berlin tätig. Im Herbst 1998 übernahm er die Leitung des Büros der Bundesministerin Dr. Christine Bergmann und der Leitungsgruppe im Bundesfamilienministerium (BMFSFJ). Von 2000 bis 2009 leitete er die dortige Zentralabteilung, von 2009 bis 2011 eine Unterabteilung in der Abteilung Kinder und Jugend des BMFSFJ.

www.beauftragter-missbrauch.de

hessen.schule-gegen-sexuelle-gewalt.de

www.kein-raum-fuer-missbrauch.de

www.hilfeportal-missbrauch.de

Hilfetelefon Sexueller Missbrauch:

0800 – 22 55 530 (kostenfrei und anonym)