Ein Leben mit Kindern ist voller Überraschungen, Unwägbarkeiten und Unsicherheiten. Frei nach Karl Valentin sollten wir nicht zögern und uns gegenseitig befragen. Wir werden dabei entdecken, wie überraschend und vor allem wie wegweisend die Antworten ausfallen können.
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Ach wie schön war die Zeit als Kind, als es noch nichts gab, nur zu besonderen Zeiten im Jahr. Zum Beispiel der kleine, einfache Adventkalender, gefüllt mit minderwertiger Schokolade in lustiger Form, 24 Türchen zum öffnen und freuen.
Heuer reicht das genauso wenig wie eine Familienwanderung zur Begeisterung der faulen Meute, da muss Mutti schon mehr bieten. Also wird mühselig Säckchen für Säckchen mit lustigen Dingen, Spielzeugen und erlesenen Leckereien gefüllt, ein reiner Wettbewerb. Bei unserer Mannschaftsstärke bedeutet das einen Wohnraum voller Säckchen an Leinen quer durch das Zimmer, denn auch Mama und Papa müssen sich ja beschenken. (Was schenke ich eigentlich am 24.12.? Mir gehen die Ideen aus!). Neulich, wir öffneten unter großer Freude unsere Säckchen, ich zum Beispiel fand eine Dose Leberwurst darin (??) und meine Kleinen eine Ladung Playmobil, an der sich die Kinder sonst an Weihnachten oder Geburtstagen delektieren, tauchte in meinem über das vergangene verreiste Wochenende angesammelten noch zu öffnenden Säckchen auch eine Packung Bio-Nougat-Schokolade auf. In Kombination mit den seit Jahren von meiner besten Ehefrau an mich verschenkten Weihnachtsmandeln(mag ich nicht), Weingummis (mag ich auch nicht) und Lakritz (mag ich erst recht nicht) war dies ein echter Volltreffer, ich freute mich redlich (sonst nicht so, was sie sehr übel aufnahm). Da ich ein disziplinierter Charakter bin, wollte ich meine Bio-Nougat-Schokolade nicht gleich morgens um sieben Uhr verschlingen, sondern freute mich auf den Abend und legte die Bio-Nougat-Schokolade auf unsere Küchenablage. Dort wurde sie sofort von unserer knapp dreizehnjährigen Tochter beäugt und befummelt und als lecker bekundet. Es erfolgte ein scharfer Verweis meinerseits, denn grundsätzlich ernährt sie sich nur von diesen Dingen (in diesem Fall immerhin Bio), aber bitte mal nicht von meinen.
An besagtem Abend kam ich nicht mehr zum Naschen, und danach waren wir verreist, die besagte Tochter bei ihrem leiblichen Vater, was sich in der Regel im Anschluss an die Wochenenden auf meine Psyche weniger gut auswirkt. Nicht, dass es an ihm liegt, aber es ist eben Patchwork, und da bekommt einer die Emotionen ab, das bin dann meistens ich. Abgesehen davon, dass das arme Kind danach schlafwandelte, dieses Mal mit geöffneter Haustüre, wie ich dann morgens feststellen mußte.
Gestern wollte ich jetzt endlich meine Bio-Nougat-Schokolade naschen und suchte vergeblich. Eine inquisitorische Befragung (ich habe da einen klaren Verdacht!) führte zu verlegenem Gesichtsausdruck der Kinder. Meine Kleinen vermuteten, es handelt sich um den Einbrecher, der neulich in unserer Nachbarschaft durch den Zaun gerannt ist, was zu einem neuen, wesentlich schöneren Zaun führte, aber uns alle in Angst und Schrecken versetzte. Unsere Zweitälteste konnte es nicht auf die große Schwester schieben, denn die weilt ja bekanntlich zur Zeit im Auslands-Jahr (hat sie einen Adventkalender? Muss mal meine liebe Frau fragen). Der Versuch, mir klar zu machen, dass sie es vielleicht während des Schlafwandels unabsichtlich vertilgt hätte, wurde von mir in der B-Note mit „mangelhaft“ bewertet und führte damit zum Ende des gemeinsamen Abends. Bleibt nur noch das Argument, dass vielleicht, während sie schlafwandelnd die Haustüre aufgeschlossen hatte und diese die halbe Nacht offen stand, ein Nachbar eingedrungen wäre und dann das Bio-Nougat-Häppchen genascht hat. Darüber muss ich noch mal nachdenken.
Bis dahin erfreue ich mich an dem Gedanken, dass mein Ex-Schwiegervater am 8.12. eines jeden Jahres, sein Geburtstag, seiner Tochter das Advent-Türchen leer gemampft hat. Scheinbar gibt es hier Muster.
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