Allgemein /4. Mai 2018

Eltern – Die wahren Alltagshelden

Oh Gott, schon wieder Vater- und Muttertag!  wird vielleicht so mancher denken.

Es läuft immer gleich ab: Irgendwer hat ein Gedicht (ab)geschrieben, die anderen haben auf den letzten Drücker etwas gemalt oder gebastelt, und es werden Blumen gekauft, um Mama und Papa zu erfreuen und das Bruttoinlandsprodukt anzukurbeln. Nicht originell, aber schön. Und ehrlich, es ist doch immer wieder herzallerliebst das ganze gebastelte Zeug und die schnell verwelkenden Blumen.

Allemal besser als kürzlich in einem Discounter zu stehen, der glaubt, dass sein Muttertags-Angebot: Bügeleisen, Saugroboter, Nähmaschine, die Mütter von heute glücklich macht! Oder wie soll man das sonst interpretieren?

Auch wenn wir uns manches Mal wünschen, dass der Fulltime-Job zwischen Kindern, Job und Partnerschaft einfacher zu handeln wäre. Die Tage sind oft so voll, dass wir regelmäßig abends um halb zehn ins Bett fallen. Egal wer zuhause bleibt und dort die Kinder erzieht, oder ob sie nebenher auch arbeitet: Mutter (und auch Vater!) ist ein vollständiger Beruf. Das Erziehen eines Kindes, das Formen seiner Wertvorstellungen, die Aufmerksamkeit und Liebe, die es verlangt, all das macht niemand “so nebenher”. Erziehung ist keine Technik, sondern vielmehr eine Frage der eigenen Haltung. Eltern sollen den Rahmen zur Verfügung stellen, in dem sich das Kind entwickelt. Füllen muss es ihn selbst. Eltern sein ist also das Gegenteil von leicht. Ob wir des Nachts nicht mehr durchschlafen, Lieder von Rolf Zuckowski anhören dürfen ;), das Gekreische von Pumuckl, Elternabende und den Liebeskummer kirgisischer Au-pair-Mädchen.

Und obwohl Familie heute keine rein private Angelegenheit mehr ist, sondern das Hätschelkind der deutschen Politik, wird der Kraftakt für Eltern, der damit verbunden ist, in unserer Gesellschaft kaum anerkannt. Denn sie wirft kein Geld ab. Natürlich schafft sie Liebe, Freude, Vertrauen, sie ist die Basis für unsere Zukunft, für eine Weiterentwicklung der Menschheit, für das Lernen aus Fehlern und die Weitergabe unserer Wissens und unserer Kultur. Und doch wird das kaum wertgeschätzt.

Eltern sind heute permanent gefragt. Sich zurücklehnen und den Dingen ihren Lauf lassen, ist schwierig geworden. Die gesellschaftlichen Anforderungen an Familie sind gestiegen. Ob es darum geht, in der Elterninitiative über den Speiseplan zu diskutieren, ob sie ihre Kinder in der der Großstadt zum Babyschwimmen oder Fußball fahren oder ob sie später in der Schule als – oft notwendige – Hausaufgabenhilfe sekundieren. In einer Zeit, in der individuelle Selbstverwirklichung so wichtig ist, zeige sich darin die Gesetzmäßigkeit einer beinharten Konkurrenz- und Leistungsgesellschaft.

Umso mehr ist es wichtig, ist man erstmal aus der Dauer-Versorgungs- und Aufmerksamkeits-Schleife der ersten Jahre als Mama und Papa raus, auch wieder auf sich als Paar zu achten. Denn den Kindern geht es immer nur so gut wie ihren Hauptbezugspersonen. Einatmen. Ausatmen. Was brauche ich als Mutter, als Vater, eigentlich wirklich für ein schönes, ausgefülltes Leben? Und was brauchen meine Kinder?

 

 

Von Blumen und Pralinen mal abgesehen – über welches Geschenk freuen wir uns als Eltern eigentlich wirklich? Und was kommt am Ende allen zugute? Die wohl einfachste Antwort auf diese Frage lautet: über ein Geschenkset aus Aufmerksamkeit und Zeit oder anderes ausgedrückt: „Quality-Time“Aber Achtung: „Quality Time“ ist zwar wichtig und schön, wenn es darum geht, eine sichere Bindung zwischen (berufstätigen) Eltern und ihren Kinder aufzubauen. Aber Erziehung, Glück und Alltag leben von unspektakulären Momenten, vom gemeinsamen Kochen, vom Plaudern  während der schier ewigen Fahrt mit dem Laufrad in die Kita und von dem Morgen, an dem man die Kids mal nicht zur Eile antreibt. Und das kann jeder Tag im Jahr sein.

Ihr seid die Helden!