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© DisobeyArt/iStock.com
Familienleben /31. Dezember 2020

Mein Leben als Familienvater – Ein ganz persönlicher Rückblick auf 2020

Erinnerungen

Wow!!! Wie schnell das geht und alle reden anders! Am 30.12.2019 waren wir noch in wilder Aufregung zur Vorbereitung des Silvesterfests. Würden wir die vielen Gäste überhaupt in unser kleines Reihenhaus-Wohnzimmer hineinbekommen? Mit Kindern, Hunden und so weiter waren es gefühlt viel zu viele Personen für die paar Quadratmeter. Platz ist aber bekanntlich in der kleinsten Hütte, also los ging es. ‚Pizza Connection‘ war das Motto: Immer zwei „Nicht-Paare“ mussten zusammen eine Pizza fertigen und den anderen servieren. So gelang es uns, alle satt zu bekommen, die teils bislang untereinander unbekannten Gäste miteinander vertraut zu machen und am wichtigsten: die Küche einigermaßen leer zu halten. War cool, dauerte lang, Party bis 03.00 Uhr früh. Die Hunde hielten am längsten durch…

Pendeln zwischen Bett, Schreibtisch und Küche

Und heute? „Dinner  For One“ sagte gestern der Künstler Stefan Bauer im Radio sei für ihn früher eine Sendung gewesen und jetzt gerade bittere Realität. Ausgangsbeschränkungen, Personenbegrenzung, kein Feuerwerk – ist das Spaß?

Schauen wir mal zurück, wie schlecht es denn nun wirklich gewesen ist. Und bitte, liebe Kritiker*innen, haltet inne! Wir haben selbst Todesfälle im Umfeld durch Corona erlebt, haben Freunde auf der Intensivstation gehabt und einige davon können bis heute noch nicht richtig an das frühere Leben anknüpfen. Dennoch, das hier ist SATIRE und daher kann nicht auf alles Rücksicht genommen werden. Am wenigsten auf sogenannte „Querdenker“ und Rechtsaußen und ihre spezielle Wahrnehmung vom Geschehen auf dem reptiloiden Planeten.

Januar 2020, die Silvesterfeier war noch nicht ganz verdaut, hatte die wahrscheinlich vergnügungssüchtigste Ehefrau von allen schon viele neue Pläne für das neue Jahr geschmiedet. Reise hier, Party dort, Konzertkarten bestellt, Kurztrips geplant, Hochzeitstag mit Event, Geburtstage der sechs Familienmitglieder und und und …

Dann eine angeblich verspeiste Fledermaus in Fernost und schon war´s vorbei. Plötzlich die Kinder zu Hause, Unterricht konnten wir das mit dem Dilemma der Schulorganisation nicht nennen, daher bürgerte sich schnell der Begriff „Homeschooling“ ein. Soll heißen, die Eltern zappeln sich einen ab, alles brüllt und lärmt zu Hause durcheinander. Wir Eltern natürlich auch zu Hause im Büro und damit eine Situation, die mich heute die Abgabe von Kindern in Heimunterbringung aus einem anderen Blickwinkel betrachten lässt. Ende März machte ich erstmals meinem Ärger in Beiträgen dazu Luft, gipfelnd in Leserbriefen in Zeitungen. Sogar ein Interview wurde gemacht und dann änderte sich was!!! Bei meinem Kollegen in Berlin trafen dann in der Schule für 1.200 Schüler glatte ZWEI Notebooks ein… der Bestellvorgang war in der Behörde vergessen worden! Sie wollen mehr Wahnsinn? Dann lesen Sie einfach die Nachrichten von 2020 nochmal von vorne. Wir sind ja alle zu Hause, Kneipe zu, also Zeit zum Lesen haben wir genug. Im Fernsehen kommen bald auch nur noch Wiederholungen, da wegen der Testerei die Filmcrews schwer zusammenzubringen sind.

Ach ja, Fernsehen… nach verplantem Jahr kam wie gesagt „unterfeiert“. Meine unterfeiertste Ehefrau von allen dürstete nach Disco, ich erwischte sie eines Abends bei lauter Musik im Wohnzimmer mit Bewegungen einer Schlangenbeschwörung. Sie sei etwas aus der Übung, kommentierte sie und trainierte weiter für den Abend im Jahr 2025, wenn die Clubs wieder öffnen könnten (Abstandsregeln vorausgesetzt). Bis dahin schauen wir also mehr TV als früher, sprechen über Sendungen, die wir nie zur Kenntnis genommen hätten und tauschen verstohlen nervöse Blicke aus, wenn Freunde über angeblich gelesene Bücher referieren. Ach ja, das war ja so, die haben ja keine Kinder oder die Kinder sind schon erwachsen… wir haben einfach keine Nerven mehr nach „Homeschooling“ und eigene Bildung und Job noch zu lesen. Was früher „belesen“ hieß, ist heute „benetflixt“ (©HPTrimborn, 30.12.2020)

Die Frühjahrstage ging es ja noch irgendwie, das Wetter war erstaunlich schön. Danke, lieber Klimawandel, für das schöne Wetter, auch wenn uns damit der gesamte Wald flöten gegangen ist. Dadurch konnten die anderen Unterfeierten und Unterurlaubten wenigstens eine Sommerurlaubssimulation machen. Zu Hause, auf dem Balkon, auf der Wiese im Park. Den haben meine Kinder mit mir dann im Eifer der Pfadfinderehre monatelang aufgeräumt und darüber berichtet. Irgendwann siegten leider die CovidIdioten mit ihren Müllbergen – wir können ja nicht überall sein. Wir bleiben aber standhaft und werden weiter Müll sammeln!

Pausetaste und Komfortzone

Und dann kam der Knaller: zwischen Lockdown und Shutdown durften wir doch noch in unseren Sommerurlaub nach Nordfrankreich. Eine Region, zu der es uns zieht aber die meisten unserer Bekannten eher ein gespaltenes Verhältnis haben (es könnte regnen, es gibt wenig Restaurants, wo ist mein Komfort usw). Eine Region, über die uns unsere meisten Bekannten im Anschluss beneideten (es gab zwar keinen Komfort, aber ihre eigenen Komfortreisen in die Massentourismusecken wurden ja bekanntlich schwierig). Eine Region, in der wir uns von den Monaten der Hektik erholen konnten. Opa sagte dazu nur „Eure Sorgen möchte ich haben…- im Krieg Kind gewesen, da kann mich sowas nicht schocken“ und bestellte für Oma und sich im Restaurant munter Mittagessen. Tatsächlich kamen Opa und Oma trotz zweier schwerer Operationen in 2020 mitten in den schlimmsten Phasen der Pandemie erstaunlich gut klar mit all dem. Vielleicht ist an ihrer Wahrnehmung etwas richtig und an der Wahrnehmung schräg denkender anderer eher nicht? Das Wort „quer“ habe ich aus meinem Wortschatz gestrichen, zu viel Missbrauch…

Kaum aus den Ferien zurück der nächste Schock: die Kinder gehen zwar zur Schule, aber immer nur so irgendwie. Drohendes Damoklesschwert!!! Hybrid, Homeschooling… aber plötzlich gibt es Leihgeräte. Auch ein virtueller Klassenraum entsteht und auch Elternabende online sind möglich.

Für uns macht es das nicht besser… Sport fällt aus, Teenies werden immer teenieger, liegen herum und schauen dröge in ihre Geräte. Da wir auch mehr und mehr in Geräte schauen, ist der pädagogische Weg mehr und mehr schwierig. Wir lassen mehr zu, zumal das Wetter langsam normal wird – Novemberwetter naht. Gut für die Natur, schlecht für den Borkenkäfer und miserabel für unsere Laune. Die Herbstferien merken wir schon nicht mehr, eigentlich genauso wie während der Schulzeit. Hunger mittags, Teenie braucht Futter, Bistro in der Schule seit März geschlossen. Wir lernen zu schätzen, wie schön früher ein Restaurantbesuch gewesen ist. Ach ja, Restaurantbesuch – wir würden ja gerne! Wirklich! Mittlerweile ist aber auch bei uns die Kasse knapp – alle sparen am nächsten Mitmenschen und dessen Lohn, daher müssen wir das jetzt auch mal tun und kochen weiter artig zu Hause. Die Heizung kaputt, das war das fatale Urteil für den Gastronom unseres Seelenheils für dieses Jahr. Der Frischedienst unterstützt die verzweifelste Ehefrau von allen bei der Auswahl von Gerichten und ihren Finessen. Die Kinder müssen mit ran, wer essen will soll auch arbeiten hat August Bebel angeblich einst gesagt. Auch die zweitälteste Tochter kann dem Druck nicht mehr entweichen – genug Freizeit hat sie dank teilweiser Kurzarbeit und Hunger hat sie auch. Also muss sie da durch, auch wenn das den Tagesablauf kräftig durchrüttelt. Oder wie würden Sie das finden, wenn Sie noch vor dem Aufstehen um 15 Uhr vormittags schon zum Kochen um 12 Uhr geweckt werden? Tja, und so ergibt sich, dass letztgenannte sich auf den Weg zur Wohnungssuche machte und fündig wurde. 2021 ist es soweit, der Vogel steht jetzt auf der Felsklippe, öffnet die Flügel und wird wegfliegen. Das schmerzendste Mutterherz von allen schmerzt sehr vor dieser Situation, der Patchworkpapa ist an ihrer Seite und freut sich dennoch nicht ganz leise über das frei werdende Zimmer. Auf diese Weise entsteht dann doch noch Platz für ein vernünftiges Büro im Haus. Auch wenn über das Corona-Verlies diese Zeilen in Deutschlands wohl bekanntestem Dachboden geschrieben wurden ist die gebückte Haltung bei Deckenhöhe 1,65 Meter nur wenige Stunden täglich zu ertragen.

BYE, BYE 2020!

So geht das Jahr jetzt langsam zu Ende. Weihnachten gönnten wir uns dann eine Auszeit vom Kochen und bestellten uns etwas in der Gastronomie – ein Genuss!!! So lernt man dann doch so viele Kleinigkeiten ganz anders zu schätzen. Ein Mehrwert aus einem schwierigen Jahr. Jetzt haben wir morgen noch „Dinner For Four“ – im Rahmen der erlaubten Personenzahl wird das aus der Mode gekommene Fondue wieder mal reanimiert und ich bin mir sicher: dieses Silvester wird uns auch in Erinnerung bleiben!

Guten Rutsch ins 2021 – das wird zwar nicht zwangsläufig besser, wird aber auch wieder viel Stoff für heitere Anekdoten liefern …

 

 

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