Allgemein /10. Dezember 2017

„Liebeskunde“ – neues Schulfach?

Aus einer guten Beziehung zum Partner Glück, Kraft und Lebenszufriedenheit schöpfen zu können – das ist eine wichtige Basis für Familien in all ihren Phasen. Doch Paarbeziehungen stehen heute umso mehr unter vielfältigen Belastungen.

 

Sich verstehen ist nicht selbstverständlich

Wir wissen es, oder haben es selbst erlebt: Gewohnheit, chronischer Alltagsstress und allerlei Konflikte in der Partnerschaft führen dazu, dass die anfängliche Attraktivität des Partners und Begeisterung für diesen schleichend nachlassen. Viele Menschen haben aber auch übersteigerte Erwartungen an ihre Liebesbeziehung und sind dann enttäuscht, dass die romantischen Gefühle schneller als erwartet verblassen.

Wissenschaftler sind sich darüber einig, dass ein präventives Kommunikations- und Verhaltenstraining für Paare in einem frühen Stadium der Beziehung das Trennungsrisiko senkt und maßgeblich dazu beiträgt, die Zufriedenheit in der Partnerschaft zu erhöhen. Wer also rechtzeitig ein paar Gesprächsregeln beachtet, kann das Risiko des Scheiterns einer Liebesbeziehung senken?

In Anbetracht der hohen Scheidungsrate von 41 Prozent und den damit verbundenen Belastungen und Folgeproblemen für Ex-Partner und betroffene Kinder, gehörten laut einer Studie präventive Interventionen zu den effektivsten und kostengünstigsten Maßnahmen.

Paartherapeuten haben inzwischen immer mehr Zulauf, gerade auch von jüngeren Paaren, die an die für immer und ewig andauernde große Liebe glauben, aber gleichzeitig die Ersetzbarkeit und Unverbindlichkeit von Beziehungen über Online-Plattformen wie Facebook und Tinder u.a. leben, bei denen es eher um den schnellen Konsum von Kontakten, Beziehungen und Aufmerksamkeit geht.

Die Sehnsucht nach einem besseren „Modell“, zu mehr Verbindlichkeit, Sicherheit und Beständigkeit im Privatleben steht im Widerspruch zum Einfluss der Medien und dem Erlebten in der eigenen Familie.

 

© psdesign1/fotolia.de


Wie erreichen wir also unsere Ziele für glücklichere Partnerschaften?

Glückliche Paare haben ein Geheimnis. Sie können „gut“ miteinander reden. Das klingt einfach. Doch bei heiklen Themen oder unter Stress kochen die Emotionen schnell über; ein Wort gibt das andere, und schon hängt der Haussegen schief.  Also geht es um „Schöner streiten“?

Ja, Lernprogramme zu einem erfolgreichen Beziehungs-Coaching wie beispielsweise das EPL-KEK Gesprächstraining vom Institut für Kommunikationstherapie in München, sind in wissenschaftlichen Studien auf ihre Wirksamkeit hin untersucht worden.

Das Training zielt nicht darauf ab, Paarkonflikte zu verhindern, sondern anhand von gelernten Kommunikationsregeln die Kompetenz der Paare im Umgang mit Konflikten zu erhöhen. EPL und KEK geben je fünf einfache Regeln für das „Sprechen“ und das „Zuhören“ an die Hand, mit denen Gespräche viel konstruktiver geführt werden können: Ich kann besser ausdrücken, was ich meine, und ich kann anders zuhören, sodass ich mehr verstehe. Die Qualität der Gespräche verändert sich, und Paare können auch Streitgespräche führen, ohne sich gegenseitig zu verletzen.

Aufgrund der Trägervielfalt und der sehr unterschiedlichen Strukturen, der politischen Zuständigkeiten und Verantwortung, der personellen und finanziellen Ressourcen in den Ländern, Kommunen, Städten und Gemeinden sind solcherart Ehe-und Paarangeboten tatsächlich vor Ort nicht immer möglich.

 

Schulfach „Liebes- und Beziehungskunde“

Paartherapeuten empfehlen deshalb, dass es schon in der Schule neben dem Fach Sexualkunde das Schulfach „Liebes- und Beziehungskunde“ geben muss.

Das gilt für alles Zwischenmenschliche: Wie kommuniziere ich, wenn es Probleme gibt, wie gebe ich Feedback, wie gehe ich mit Kritik um, wie nehme ich überhaupt meine eigenen Gefühle wahr, wie gehe ich mit diesen um, wie definiere ich meinen Selbstwert.

Bevor ein WIR aufgebaut wird, braucht es ein klares und gut entwickeltes ICH – dass dann die Brücke zum anderen schlagen kann. Jeder muss lernen, dass er sich erstmal selbst lieben, anerkennen und wertschätzen muss, damit er dem Partner dasselbe Gefühl entgegen bringen kann.

Wirklich zu lieben heißt, ich bin auch ohne den anderen „heil“ und kann mich ihm so, wie er ist, nähern statt ihn zu instrumentalisieren oder eigene Defizite auszugleichen.  Wir können also nur geben, was wir selbst besitzen….

In Krisensituationen ist es deswegen wichtig, nicht den Partner für das eigene Glück verantwortlich zu machen, sondern sich erstmal um sich selbst zu kümmern und in sich wieder Stabilität zu finden.

Sollten also staatlich geförderte Public-Health-Maßnahmen wie Gesprächstraining für Paare nicht für jeden individuell zur Verfügung stehen können, dann gibt es noch ein ganzes Spektrum niedrigschwelliger Angebote für ein Paar-Präventivtraining wie z.B.:

 

  • DVD Reihe aus dem EPL-Training „Gelungene Kommunikation…damit die Liebe bleibt“ für junge Paare wie auch für Paare in mehrjährigen Partnerschaften.
  • Interaktive Online-Programm „PaarBalance“
  • App (in Planung) mit Tipps und Wissen zur Verbesserung des partnerschaftlichen Miteinanders

 

„Das Verlangen nach zwischenmenschlicher Vereinigung ist das stärkste Verlangen im Menschen. (…). Die Menschheit könnte nicht einen Tag ohne Liebe überleben “ (Fromm 1956)

Nutzen wir doch dieses Verlangen und sehen es als unsere Hauptaufgabe an, die Ehe-und Partnerschaft für die Familienbildung zu stärken!