Allgemein /14. Januar 2016

Nashorn im Glas

Ich spreche jetzt nicht von der fünfzigsten Wiederholung von Wicki dem Wikinger, hier folge ich mittlerweile dem Beispiel der fahnenflüchtigen Frau Mama, die schon seit Jahren mit Einschalten des Fernsehers den Raum in rasendem Tempo verlässt. Gegen die Verwahrlosung der Kinder wurde ich seit Jahren eingesetzt, aber diese Wiederholungen… Nein, was ich gerne schaue, ist „Wissen macht Ah!“ oder „PurPlus“ und „Checker-Tobi“. Für weitere Anregungen bin ich Ihnen natürlich dankbar. Was diese Sendungen auszeichnet ist das für mich im Rahmen der Kinder-Entspannung-Bildung-Kombination sehr deutlich hervortretende Element „Bildung“. Manchmal glaube ich schon verblödet zu sein, so wenig von dem dort Präsentierten weiß ich. Und noch schlimmer ist es, wenn mir meine Kleinen dann erklären, wie es richtig funktioniert. 

Neulich war ich allerdings wirklich in Erklärungsnot.

Der Bericht drehte sich um die letzten drei (!!!) noch lebenden Exemplare einer Breitmaul-Nashorn-Rasse. Diese drei armen Saurier sind jetzt so alt, dass sie sich nicht mehr fortpflanzen können (das wäre doch dann sowieso Inzucht? – Davon sprechen die aber nicht in dem Bericht) und damit wäre dann die Art vom Planet verschwunden. Ob in China die alten Männer jetzt potenter sind, weil sie den Vorfahren der letzten drei die Hörner abgeschnitten und als Pulver eingenommen haben, ist auch nicht bekannt. Jedenfalls hat eine afrikanische Forschertruppe festgestellt, dass sie aus den Hautzellen des letzten noch lebenden männlichen Exemplars auf irgendeine mir in der Kürze des Berichts nicht klar gewordene Zellstruktur züchten können und diese dann einer artverwandten jungen Nashorn-Kuh einpflanzen. Voila, das Retorten-Nashorn kommt! 

Während dieser Bericht in wenigen Minuten das gesamte Thema der künstlichen Befruchtung vom Beginn der Zellsammlung in der Savanne bis zum Reagenzglas abhandelt, zum Glück bei Unterlassung einer ethisch-moralischen Diskussion über Eizellen- und Samenspenden, werden die Augen meines Neunjährigen immer größer. Eben will ich den Teil „Entspannung“ aus der genannten Kombination in den Vordergrund rücken, da kommt „Bildung“ mit voller Wucht auf mich eingeschlagen… „Papa, wie kommt denn jetzt das Nashorn in das Reagenzglas?“ fragt er mich. Die Kleine schaut mich auch gebannt an, denn meine Antworten sind in ihren Augen weise und Gesetz. Ich versuche mich zu sammeln und in kurzen Worten etwas über mein wenig profundes Fachwissen zu künstlicher Befruchtung zu sagen. Oder soll ich über die Bienchen und die Blümchen…? 

„Also, das ist so…“ beginne ich zu erklären… ich kuschele die beiden eng an mich, das lenkt sie etwas von meinem hilflosen Gestammel ab… 

Ganz ehrlich, das hätte ich nicht gedacht. Dass ich mal wieder irgendwann ein Kind aufklären muss, war mir schon klar. Aber dass ich das am Beispiel eines Nashorns im Glas tue…