Allgemein /30. April 2020

Alles nicht so einfach – Das Pubertier

 

Schon Sokrates beklagte sich über die Jugend

Viele kennen das Problem, entweder am eigenen Leib oder durch Schilderungen von anderen.

Pubertierende Jugendliche, die das harmonische Familienleben jeden Tag aufs Neue auf die Probe stellen und die Eltern an Ihre nervlichen Grenzen bringen. Angehörige eines fremden Volkes mit anderen sonderbaren Empfindungen, einer anderen Sprache und andere Rezeptoren zur Wahrnehmung der Umwelt.

Die Themen, die zum Ärger führen, sind mannigfaltig: fehlende Ordnung, fehlende Einsichten, herumliegende Kleidung und Sonstiges. Mangelnde Bereitschaft zur Hilfe im Haushalt und ausbleibende Kommunikation bis hin zur Gesprächsverweigerung. Das Leben mit Eltern und Geschwistern erweist sich an vielen Enden als stressig und stört die freie Entfaltung des heranstrebenden Geistes.

Durch steigende Wohnungskosten und mangelnden Wohnraum kommt es dazu, dass sich diese ungute Situation noch mehrere Jahre hinziehen kann. Auch jungen Erwachsenen gelingt es nur mit viel Glück, ein bezahlbares Studentenzimmer oder einen WG-Raum zu ergattern und es hängt natürlich auch von den finanziellen Möglichkeiten ab. Gerade im Rhein-Main-Gebiet ist die Situation für die Heranwachsenden, die es von zu Hause wegzieht und die auf eigenen Füßen stehen wollen, nicht einfach.

Im Haus oder in der Wohnung kehrt erst Friede ein, wenn sich die Eltern zur Arbeit aufmachen und die Geschwister in die Schule verschwinden. Weitere Erleichterung bringt es, viel Zeit außerhalb der Familie zu verbringen. Mit Freunden Essen gehen oder einfach so abhängen und chillen oder ins Kino gehen sind eine erholsame Abwechslung vom Familienalltag für alle.

 

Folgen der Ausgangsbeschränkungen

Die aktuelle Corona-Krisen-Situation beschert uns Tage, da könnten von der Laune mancher Eltern 15 Teenager 3 Tage lang pubertieren…!

Der Pandemie-Alltag ist gebaut auf Restriktion. Kontaktverbot zu Personen außerhalb der Familie. Die Schule findet nicht statt, keine Partys, Fußballtraining fällt aus, alles, was zu den Lieblingsbeschäftigungen von Teenagern gehörte. Soziale Kontakte, die bisher die zweite Tageshälfte unserer Kinder bestimmt haben, fällt weitgehend aus.  Zu Hause bleiben ist jetzt zwar richtig, aber es ist das genaue Gegenteil von dem, was die Jungs und Mädchen in diesem Alter gerade interessiert. Den Nachwuchs für Schulaufgaben zu motivieren, eine scheinbar absurde Wunschvorstellung.

Da hockt man nun 24/7 scheinbar endlos aufeinander. Und der kleinste Anlass wird zur großen Sache und dann leider oft zum Streit. Das Zusammenleben in der Familie ist auf dem Prüfstand. Anstrengende Eigenarten des anderen, welchen man früher aus dem Wege ging, lassen sich nur noch mit äußerster Contenance ertragen. Es entsteht so ein kleines Pulverfass, was jederzeit hochgehen kann.

Dank sozialer Medien sind die Mädchen und Jungen immerhin gut untereinander vernetzt und könnten ihre Kontakte weiterhin pflegen. Viele Eltern haben sicherlich bereits die bestehenden Regeln zur Nutzung digitaler Geräte gelockert.

 

Ideen für ein gutes Miteinander

Doch was kann man tun, um die Lage Zuhause zu entspannen? Gerade deshalb, weil es noch ungewiss ist, wann die Dinge wieder ihren gewohnten Gang gehen werden.

Grundsätzlich sollten wir mehr Gelassenheit lernen in diesen Tagen, die Chance erkennen und sehen, was uns wirklich wichtig ist.

Also lassen wir mal ‚Fünf gerade sein‚ und spielen nicht die dauernd die Verfechter von starren Erziehungsprinzipien. Zudem kann der Nachwuchs sehr wohl unterscheiden, welche Situationen Ausnahmen erfordern und in welchen wir wieder zu unseren bewährten Abläufen und Regeln zurückkehren können.

Zeigen Sie erst einmal Verständnis und besprechen dann mögliche Regeln gemeinsam. Wir alle, auch Ihre Kinder haben genügend Ängste, die wir lieber gemeinsam angehen als zusätzlich Druck zu machen. Füreinander da sein sollten wir jetzt nur in einem empathischen, verständnisvollen, zugewandten Sinne.

Es gibt keinen idealen Weg, wir müssen uns trauen, mutig sein, Dinge auszuprobieren, offen und ehrlich mit den Kindern zu sprechen, ihnen unsere Haltung erklären. Denn es ist unsere Pflicht, nach bestem Wissen und Gewissen, trotz allem, den Kindern gegenüber eine optimistische, zugewandte Haltung einzunehmen. Auch wenn es nicht immer der Wahrheit entsprechen kann.

Grundsätzlich empfiehlt sich, ob mit großen oder kleineren Kindern, einen möglichst gut strukturierten familiären Tagesablauf mit Zeiten für Schulaufgaben, gemeinsame Mahlzeiten und zum Spielen oder Entspannen.

 

Wenn jeder Rücksicht nimmt

Dass die „Jugend von heute“ immer schlimmer sei als die jeweilige Elterngeneration, wird gewiss seit Jahrhunderten beklagt. Und ob  Sokrates nun Recht hatte oder nicht, wichtig ist, dass die uns aufgenötigte gemeinsame Zeit den Einzelnen nicht unglücklich macht und in erster Linie abwechslungsreich gestaltet wird. Es ist wichtig, jedem Familienmitglied seine Freiräume zu lassen. Vielleicht einfach auch mal etwas runterschlucken und sich als Eltern an seine Jugendzeit erinnern.

So kann auch für längere Zeit das gemeinsame Leben in Zeiten der Corona-Auflagen gelingen. Lockerungen nehmen wir aber jederzeit gerne entgegen. Vielleicht schon Ende Sommer. Wir lassen uns von der Hoffnung tragen. Denn die Gedanken sind frei.