Allgemein /17. März 2020

Familien in der Corona-Krise

Das Wellness-Wochenende mit den Freundinnen abseits von Hektik und Familie war von langer Hand geplant. Dann trafen sie ein, die Nachrichten von immer mehr Infizierten der Corona-Epidemie in Deutschland, Sicherheitsvorkehrungen und Notfallplänen der Regierung. Mir kamen Zweifel, ob ich mich in einem vielleicht leeren Hotel und in einer noch leereren Sauna mental entspannen könnte.

Die Mädels der Gruppe verkörperten tatsächlich die drei klassischen menschlichen Verhaltensmuster, die in Gefahrensituationen typisch sind:

Totstellen: Das sind diejenigen, die noch unbekümmert sind und gerne so weitermachen möchten wie bisher.

Flucht: Menschen, die sich bei Krisen einigeln, bis hin zur völligen Isolation.

Kampf: Dieser Typ möchte etwas tun. Er macht Hamsterkäufe, um sich zu wappnen oder reagiert aggressiv gegen vermeintliche Bedrohungen bzw. sucht sich ein Ersatzobjekt, das eigentlich nichts mit der Krankheit zu tun hat, und diskriminiert beispielsweise Menschen aus dem asiatischen Raum

In unserem Fall überwog ‚Totstellen‘. Nach einer Krisensitzung blieben noch 6 von 8 Teilnehmerinnen übrig. In einem Fall sträubten sich die Großeltern, das Babysitting zu übernehmen, im anderen Fall war der eingeplante Ehemann im Homeoffice zu Hause komplett eingespannt. Alles zu verstehen. Wir – der harte Kern – schwankend zwischen Galgenhumor, Unsicherheit und Verharmlosung saßen dann abends nach einem Shoppingtag allein in unserer Sauna. Ein Wellness-Hotel, dass normalerweise am Wochenende proppevoll ist, lief gefühlt auf halber Flamme. Die Cafés im Ort waren tags zuvor noch gut gefühlt – keine Spur von Angst oder Ausnahmezustand. Und der Frühstücksraum im Hotel am Abreisetag offenbarte uns dann, dass wohl noch viele Menschen sich gegen die Corona-Angst und für eine Auszeit vom Alltag entschieden hatten.

In der Woche darauf war nichts mehr wie vorher.

 

Das Leben geht weiter, nur anders

Der Corona-Virus hat die Welt seit dem Wochenende ganz schön durchgerüttelt und verschiebt unseren Alltag plötzlich noch stärker als sonst ins Digitale. Das öffentliche Leben wird auf eine Art entschleunigt, die wir so noch nie erlebt haben. „Ich fühle mich wie im Film“. Das ist ein Satz, den ich gerade häufig höre. Mit den ersten frühlingshaften Sonnenstrahlen zeigt die Corona-Krise jedoch auch ein freundliches Gesicht. Die Menschen halten Abstand, tragen aber ein Lächeln im Gesicht. In vielen Fällen werden jetzt auch solidarisch in den Nachbarschaften Hilfe angeboten. Also auch etwas Positives in der Krise.

 

Gesellschaftlicher Lockdown

Weitreichende Vorsichtsmaßnahmen zur Ausbreitung des neuen Corona-Virus Sars-CoV-2 sind angelaufen. Neben Reisebeschränkungen aller Art und der Schließung vieler Grenzübergänge, haben nun auch Schulen und Kitas in Deutschland quasi flächendeckend die Türen zugemacht. Ebenso sind Bars, Clubs, Diskotheken sowie Kneipen, Theater, Opern, Konzerthäuser, Fitnessstudios und Museen betroffen. Gottesdienst werden abgesagt. Auch öffentliche Spielplätze, Schwimmbäder und Sportanlagen werden gesperrt. Dicht machen vielerorts Messen, Ausstellungen, Kinos, Zoos, sowie Spielhallen usw. Öffentliche und private Veranstaltungen ab einer bestimmten Anzahl Teilnehmer sind verboten. Auch die bundesweite Schließung von Geschäften wurde beschlossen. Im Sport und in der Wirtschaft reagieren Verbände, Vereine und Unternehmen mit durchgreifenden Maßnahmen. Fußballfans müssen damit leben, dass die Europameisterschaft verschoben wird.

Geöffnet bleiben Lebensmittel- und Getränkemärkte, Apotheken, Drogerien, Tankstellen und Banken. Auch die Sonntagsverkaufsverbote werden ausgesetzt. Der Großhandel bleibt ebenfalls geöffnet, sodass Waren- und Essensauslieferungen weiterhin möglich sind. Handwerker und Dienstleister könnten zudem wie gewohnt ihren Tätigkeiten nachgehen. Bei Geschäften wie Bau-, Garten- und Tierbedarfsmärkten sollen Hygiene-Auflagen und Auflagen zur Vermeidung von Warteschlangen sorgen.

Diese Maßnahmen werden nicht getroffen, weil das Virus so außerordentlich gefährlich sei. Sie dienen einzig und allein dazu, die Ausbreitung zu verlangsamen und somit das Gesundheitssystem nicht zu überlasten.

Die Anordnungen gelten bis auf weiteres bis zum Ende der Osterferien, also bis Mitte oder Ende April.

 

(Not)Betreuung, Homeoffice und „Coronaferien“

Betreuung von Kindern

Sechs Stunden Monopoly, dann sämtliche Harry-Potter-Folgen am Stück?

Die wochenlange Schließung stellt Eltern und Arbeitgeber vor eine massive Herausforderung. Firmenchefs und Behördenleiter müssen gemeinsam mit ihren Mitarbeitern einvernehmliche und unbürokratische Lösungen für die Kinderbetreuung finden, so dass den Eltern keine Lohneinbußen drohen. Folgende Möglichkeiten bieten sich hier an: Überstunden abbauen, im Homeoffice arbeiten oder Urlaub nehmen.

Laut Fachanwälten können Arbeitnehmer im Notfall zu Hause bleiben, um ihre Kinder zu betreuen. Ob die betroffenen Arbeitnehmer dann auch weiter ihr Gehalt bekommen, hängt aber davon ab, ob wirklich keine andere Betreuung möglich war. Gleiches gilt für diejenigen, die ein krankes Kind zu Hause haben: Kurzfristig können Arbeitnehmer der Arbeit fernbleiben und trotzdem weiter ihr Gehalt bekommen, wenn sie den Nachwuchs betreuen müssen und die Betreuung nicht anderweitig gesichert werden kann.

Der § 616 im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) besagt: Wer ohne eigenes Verschulden und aus einem persönlichen Grund verhindert ist und nicht zur Arbeit kommen kann, bekommt dennoch weiter sein Gehalt.

Die Länder versuchen derweil, eine Notbetreuungen auf die Beine zu stellen. Es geht dabei aber vor allem darum, dass Eltern in sogenannten kritischen Berufen Krankenpflege, Feuerwehr, Polizei oder Rettungsdienst weiterhin zur Arbeit gehen können. Allerdings müssen beide Elternteile zu einer dieser Berufsgruppen gehören. Nur Alleinerziehende sind ein Sonderfall.
 

Betreuung über Großeltern

Ältere und vorerkrankte Menschen gelten als gefährdeter, was schwere Verläufe von Covid-19 angeht. Jede Familie sollte deshalb versuchen, individuelle Lösungen zu finden und ihre Kinder in den kommenden Monaten – bis September oder Oktober – nicht mehr in die Betreuung der Großeltern zu geben, sondern diese „als schützenswerten Bereich“ zu sehen und beispielsweise für sie einzukaufen.

Um die Patienten und Mitarbeiter zu schützen, richten auch immer mehr Krankenhäuser und Seniorenheime deswegen strikte Besuchsverbote ein.

 

Homeoffice mit Kindern

In den meisten Behörden wird der persönliche Kundenverkehr eingeschränkt oder die Arbeit in den Betrieben soweit möglich ins Homeoffice ausgelagert. Ein paar Tipps, wie Sie auch mit Kindern richtig von zu Hause arbeiten können:

Passen Sie Ihr Verhalten und die Kleidung Kleidung dem Büro an. Dadurch verbessert sich auch die eigene Arbeitshaltung automatisch. Langes Ausschlafen und Jogginghose ist ein NoGo.

Vor allem im Homeoffice ist die flexible Anpassung der Arbeitszeiten und die Einhaltung der festgelegten Abläufe erforderlich. Machen Sie sich am Vorabend einen Plan der dringend zu erledigenden Aufgaben. Legen Sie auch im Homeoffice eine Pause ein, zum Beispiel am Nachmittag, um sich ganz bewusst Zeit für die Kinder zu nehmen. Steht der Zeitplan einmal, sollte dieser dann auch konsequent umgesetzt werden. Versuchen Sie das Chaos um sich herum zu ignorieren – trennen Sie Hausarbeit und Job.

Erziehen Sie Ihre Kinder zur Selbständigkeit, denn Langeweile provoziert Kinder, die Eltern bei der Arbeit zu stören. Für ein funktionierendes Homeoffice mit Kind zu Hause ist es wichtig, dass sich die Kinder lernen, sich allein zu beschäftigen. Optimal ist es, wenn beide Elternteile Homeoffice machen können. Halten Sie sich gegenseitig den Rücken frei. So hat immer einer von Beiden Zeit, sich um die Kinder zu kümmern. Bei Alleinerziehenden sollte man Hilfe bei anderen Familien suchen. Und ganz wichtig: Bewahren Sie Ruhe – auch wenn es mal hektisch wird.

Im schlimmsten Fall nutzen Sie das angepasste TV-Programm. Die „Sendung mit der Maus“ funkt nun täglich und Kindersender passen ihr Programm an die „Coronaferien“ an.

Unser Tipp: Tun Sie auch mal all die Dinge, die Sie schon immer tun wollten. Und vereinbaren Sie mit größeren Kindern klare To-Do’s für den Tag.

 

Keine Coronaferien

Der reguläre Schulbetrieb ist ausgesetzt. Ob es den Schulleitungen, den Lehrern, den Eltern, Schülern gelingt, das Lehren und Lernen unter nie dagewesenen Bedingungen aufrechtzuerhalten, wird sich zeigen. Dort, wo es E-Mail-Listen der Klassen gibt, können Lehrkräfte mit ihren Schülern digital kommunizieren und Dokumente oder Lernaufträge austauschen. So sehen es die Notfallpläne an vielen der Schulen vor.

Auch der Semesterbeginn an den Hochschulen wird in den meisten Bundesländern verschoben. Die Prüfungen sollen stattfinden, allerdings gelten verschärfte Hygienemaßnahmen.

Auf der anderen Seite der Erdkugel, in Australien gibt es schon seit den 50er Jahren das Konzept „School of the Air„, das findige Pädagogen entwickelt haben, um in dem riesigen Land eine Schulbildung auch jenen zu teil werden zu lassen, die viel zu verstreut wohnen, um sie in einem Klassenraum zu versammeln. Lehrkräfte und Schüler sind dabei via Internet in täglichem Kontakt. In der Regel schalten sie sich in Gruppen eine Stunde am Tag zusammen, um den Unterrichtsstoff zu besprechen, Fragen zu klären und neue Aufgaben zu verteilen. Alle Beteiligten können sich dabei untereinander am Bildschirm sehen, miteinander reden und kommen damit einer realen Klassenzimmersituation nahe.

 

Die Krise verlangt uns allen mehr ab, als wir für möglich gehalten haben. Und sie schreit nach neuen, auch pädagogischen Wegen. Unsere Kranken, Schwachen und Alten brauchen unsere Mithilfe, um Corona überstehen zu können. Unsere Kinder haben ein Recht auf unsere Kreativität und all unsere Anstrengungen, ihnen das Lernen weiterhin zu ermöglichen.

Um sich vor den verschiedenen, wild kursierenden Falschmeldungen über das Coronavirus zu schützen, ruft das Hessische Innenministerium verstärkt dazu auf, die SicherheitsApp hessenWARN zu benutzen.

Weitere Infos und Hotlines zum Thema finden Sie auf der Seite des Bundesgesundheitsministeriums.