Familienpolitik /9. September 2020

Geld ist nicht männlich, Haushalt ist nicht weiblich

Nichts ist mehr wie es mal war. Die Corona-Pandemie im Jahr 2020 verändert das Leben der Menschen. Traditionelle Rollenbilder, die längst überwunden schienen, kehren zurück. Frauen zoffen sich mit ihren Männern im Haushalt. Die gesamte Familie ist den ganzen Tag zusammen – das geht nicht immer gut. Wenn sich die Männer im Haushalt abkapseln, um ihrem Bürojob nachzugehen, stellt sich die Frage nach den alteingebrachten Geschlechtsstereotypen. Ist meine weibliche Arbeit weniger wichtig als die meines Mannes? Warum muss ich zwischen den lauten Kindern arbeiten, während er die Ruhe in seinem eigenen Home-Office-Büro genießt?

Die Corona-Pandemie bringt alte Rollenmuster zurück – doch kann die Krise langfristig sogar eine Chance sein, das Leben zum Positiven zu verändern?

Geschlechter-Unterschiede in Zeiten von Corona

Die Pandemie hat uns vor Augen geführt, dass es die vollkommene Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau im Alltag noch nicht gibt. Die geschlossenen Kitas und Schulen drehten die Uhr einige Jahre zurück – der familiäre Haushalt ist erneut der Mittelpunkt für die Kinderbetreuung im Alltag. Überwiegend übernahmen die Mütter Betreuung und das Beschulen der Kinder. Dies trifft in besonderem Maße auf weibliche Alleinerziehende zu, die in den meisten Fällen das Sorgerecht für die Kinder haben. Die berufliche Ungleichheit zwischen männlichem Arbeitnehmer und weiblicher Arbeitnehmerin wurde weiter verschärft. Für das Gros der Männer ist die Arbeit aus dem heimischen Office kein Problem – sofern die Liebste bei der Kinderbetreuung für Ruhe sorgt. Die Frauen übernehmen den Haushalt, die Männer die Arbeit – das alte Rollenmuster floriert in Zeiten von Lockdown und Corona.

Staatliche Maßnahmen gezielt einsetzen

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Um nicht in alte Muster zu verfallen und sich abgelegte Gewohnheiten wieder anzugewöhnen, sind äußere Anreize nicht verkehrt. Wenn die intrinsische Motivation nicht genügt, können staatliche Maßnahmen das Mittel der Wahl sein. Derartige Hilfsmittel sind bis dato rar gesät. Frauenquote, finanzielle Unterstützung oder Wirtschaftshilfen sind unzureichend. Mit arbeitspolitischen Maßnahmen – von Arbeitgeber und Staat – könnte die Gleichberechtigung von Mann und Frau weiter vorangetrieben werden. Heute sind staatliche Anreize gefragter denn je.

Veränderungsbereite Männer

Nichtsdestotrotz hat die Corona-Pandemie viele Familien zusammengeschweißt. Streit, Stress und Hektik lassen sich nicht vermeiden, wenn alle Familienmitglieder 24/7 beieinander sind. Allerdings erkennen viele Männer, dass die alten Rollenmuster überholt ist. Gemeinsam mit ihrer Partnerin kümmern sich die Männer um das Wohl der Familie. Mit einer geeigneten Tagesstruktur, der Delegation von Aufgaben, Rücksicht und Verständnis lassen sich Arbeit und Familie miteinander vereinbaren – bei Mann und Frau.

Corona als Chance nutzen

Die Pandemie im Jahr 2020 traf die Menschen unerwartet. Einschränkungen im täglichen Leben waren und sind an der Tagesordnung. Ein altes Sprichwort besagt: „Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere“. Frei nach diesem Motto sollten Sie Corona als Chance nutzen. Die Zeichen der Zeit stehen auf Veränderung. Männer und Frauen nehmen gleichermaßen eine systemrelevante Funktion ein. Gerade die systemrelevanten Berufsbilder im Einzelhandel und Krankenhaus werden überwiegend von Frauen ausgeübt. Für das familiäre Zusammenleben bedeutet Corona eine Chance zur Wiederbelebung. In einer hektischen Zeit mit rasanten Entwicklungen kann die Familie für die dringend benötigte Entschleunigung sorgen.

Auf den ersten Blick war die Corona-Krise ein Schritt zurück – langfristig könnte die Gleichberechtigung von Mann und Frau infolge von Corona zwei Schritte vorwärts gehen. Wenn Väter die Zeit mit der Familie nicht mehr missen wollen und sich die Frauen an die Arbeitsteilung gewöhnen, besteht die Chance auf eine gleichberechtigte Arbeitsteilung, wie es sie in der Vor-Corona-Zeit noch nicht gab.