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© Arndt Falter
Mehr Sorglosigkeit für Familien /25. April 2018

Mit künstlicher Intelligenz gegen Cyber-Grooming

Wie kann man Kinder vor sexuellen Übergriffen online schützen? Mit dieser Frage sehen sich Eltern, Lehrer und Medienpädagogen tagtäglich konfrontiert. Der einfachste Lösung wäre natürlich, Kindern einfach kein Smartphone zu geben.

Die wachsende Zahl der Smartphonebesitzer im Grundschulalter zeigt jedoch: Trotz aller Bedenken, kaufen jedes Jahr mehr Eltern ihren Kindern Smartphones.

Wenn dies die Lebenswirklichkeit ist, kann der Kampf gegen Cyber-Grooming nur noch mit Aufklärung gelingen. So zumindest die weitverbreitete Meinung in den Kreisen der Medienpädagogen.

Ein Startup aus Frankfurt möchte noch einen dritten Weg versuchen: Sie haben einen kindersicheren Instant Messenger als Alternative zu WhatsApp und Co. entwickelt. Privalino, eine künstliche Intelligenz, analysiert die Kommunikation der jungen Nutzer und erkennt, wenn eine sexuelle Anbahnung stattfindet. Sobald der Algorithmus Verdacht schöpft, werden Eltern und die Experten bei Privalino informiert und die Konversation gesperrt.

 

Das Privalino Team (v.l.n.r. Max Schumacher, Dr. Nicolai Erbs, Patrick Schneider)

 

Patrick Schneider, Geschäftsführer und Mitgründer von Privalino, meinte in einem Gespräch mit taunus4family: „Medienkompetenz ist gut und wichtig, reicht aber nicht aus!“

Warum ist das so? Kinder kommen in einem sehr frühen Alter mit Smartphones und dem Internet in Kontakt. Gut ein Viertel der Grundschulkinder erhält von den Eltern ein eigenes Smartphone (MIKE 2017). Wenn sie ihre Kinder beim Umgang mit den cleveren Telefonen beobachten, entsteht der Eindruck, sie wüssten, was sie tun. Denn im praktischen Umgang, sind Kinder unglaublich fit und haben die Bedienung rasch durchschaut und gemeistert. Doch bei all ihrer Findigkeit sind Kinder lediglich sehr kompetent in der Nutzung der Geräte, nicht jedoch in der Nutzung der Medien mit all ihren Dimensionen.

Was Kindern fehlt – wie vielen Erwachsenen übrigens auch – ist die Reflexion ihres Medienverhaltens. Ein Kind wägt nicht kritisch ab, bevor es eine Website oder einen Chatkanal besucht und sagt: „Nein, das ist absolut nicht für mein Alter geeignet. Um seelische Schäden von mir abzuhalten, meide ich dieses Medienangebot.“

Und gerade, weil die Eltern entweder überfordert sind oder es aufgegeben haben, die digitalen Medien und ihre vielen Inhalte zu begreifen, birgt deren Nutzung einige Gefahren.

 

Was nützt Medienkompetenz gegen Cyber-Grooming?

In einem der letzten Artikel auf taunus4family wurde darauf hingewiesen, dass viele Apps, die für Kinder gemacht wurden, nicht wirklich sicher sind. Viele lassen es an einer vernünftigen Aufsicht mangeln. So fällt es pädokriminellen Tätern leicht, Kinder über diese Plattformen anzusprechen (Cyber-Grooming). Bei Cyber-Grooming handelt es sich um ein sogenanntes Kontrolldelikt. Das bedeutet, dass nur wenige Fälle durch Zufall durch die Eltern bei der Kontrolle des Smartphones entdeckt werden. Nur etwa 12% der Kinder und Jugendlichen, die ein sexuelle Anfrage erhielten, haben dies ihren Eltern oder anderen Bezugspersonen gemeldet (Wolak, Mitchell, & Finkelhor, 2006).  Es ist davon auszugehen, dass viele Kinder und Jugendliche auch den weiteren Verlauf einer Grooming-Kommunikation nicht melden würden. Eine Aufklärung der Eltern, die eine verstärktes Kontrollverhalten zur Folge hat, wäre ein probates Mittel, um Cyber-Grooming Delikte zu erkennen. Allerdings ist die ständige Kontrolle durch die Eltern praktisch kaum umzusetzen.

Bislang gibt es keine Messaging Dienste, die auf die Kinder wirkungsvoll Acht geben. Das liegt zum Teil auch daran, dass es in der Vergangenheit unmöglich war, Cyber-Grooming automatisch zu erkennen. Mithilfe von künstlicher Intelligenz ist dies nun möglich geworden.

Das Startup Privalino nutzt diese technische Innovation, um Kinder mit ihrer Instant Messaging Alternative zu schützen. Noch ist die App nur für Android verfügbar, doch in naher Zukunft soll auch eine kostenlose iOS Version nachfolgen.

 

 

Patrick Schneider

Zum Autor

Patrick Schneider, Geschäftsführer von Privalino, ist 29 Jahre alt und hat 2016 an der Uni Duisburg seinen Masterabschluss in Medienwissenschaften gemacht. Während des Studiums hat er einige Jahre in der Marktforschung gearbeitet und Forschung im Bereich Werbe- und Medienpsychologie betrieben. Seit seinem Abschluss arbeitet er an Privalino mit und ist für Social Media Management und Business Administration verantwortlich.

Kontakt
Kitext GmbH
Sternbuschweg 7
47057 Duisburg
+49(0)176 841 613 48

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