Familienleben /5. Juni 2020

Nach der Schule in die Welt

Das heimische Nest nach der Schule zu verlassen ist ein großer und wichtiger Schritt in der Entwicklung eines Kindes. Welcher Abschluss dieses „Flüggewerden“ befähigt, ist dabei lediglich Nebensache. Für viele junge Erwachsene ist dies eine aufregende Zeit und wird sehnsüchtig erwartet. Andere träumen noch nicht so stark von dem selbstständigen Leben fern vom Elternhaus. Wohin führt der Weg und was ist „richtig“ für die Entwicklung der Kinder nach der Schule?

Aus dem Nest

Das Ritual des Flügge-Werdens ist in der einen oder anderen Form Teil einer jeden Gesellschaft. Dabei gibt es immer das eine oder andere Extrem, wie zum Beispiel das Vorurteil der italienischen „Mammoni“, die teils bis in ihre Vierziger oder einfach bis zur Ehe bei den Eltern wohnen (natürlich ist das ein viel komplexeres Thema, das mit den Wohnmöglichkeiten und weiteren Faktoren zusammenhängt). Die eigentliche Frage, die sich Eltern und Kinder (bzw. junge Erwachsene) stellen sollten ist: Ausziehen oder nicht ausziehen? Es gibt natürlich keine richtige oder falsche Antwort, da viele Einflüsse wichtig für diese Entscheidung sind.

Oft es finanziell einfach nicht realistisch, für die Zeit der weiteren Ausbildung auszuziehen, insbesondere, wenn diese Ausbildung in der Nähe des Elternhauses ist. Dabei wirken sich tatsächlich zwei Faktoren auf sowohl Eltern als auch Kinder aus: Pragmatisches sowie emotionales Denken. Die Eltern reißen sich nicht darum, die Kinder „loszuwerden“, die Veränderung des Lebensraums ist ein beängstigender Schritt für die jungen Erwachsenen. Es ist nicht leicht. Und wenn die finanziellen Mittel einfach dagegensprechen, das Elternhaus zu verlassen, dann ist das kein Problem oder Fehler. Aus dem Elternhaus heraus studieren oder arbeiten zu können ist auch nicht für alle möglich und ermöglicht viele Freiheiten in der Zukunft. Allerdings hat es auch eine Kehrseite.

Für viele ist das gemachte, bestehende Nest etwas, das man nur zögernd zurücklassen möchte. Schließlich bedeutet dieses Verlassen, dass die große, weite Welt wartet. Das kann für viele junge Menschen bedrohlich und beängstigend sein. Kombiniert man das mit Eltern, die nur widerwillig von den Kleinen loslassen, hemmt das in gewisser Weise die Entwicklung der Eigenständigkeit der jungen Erwachsenen. Die Anziehungskraft des Gewohnten ist so stark, dass sie selbst für Studenten eine schwierige Hürde darstellt: Viele ziehen sich bereits früh im Studium zurück in das heimische Nest, fern von der fremden neuen Umgebung. Insbesondere Studienratgeber weisen darauf hin, dass die erste Zeit alleine schwierig aber wichtig für die Eigenständigkeit und die eigene Entwicklung ist.

Das Nest zu verlassen ist nicht leicht. Es ist auch nicht immer praktikabel und in manchen Fällen nicht sinnvoll. Schließlich ist nicht jeder Weg nach der Schule der gleiche. Worin aber unterscheiden sich die Wege?

Viele Wege führen zum Ziel

„Mit einem Abitur muss man studieren gehen“ ist eine extrem veraltete Ansichtsweise, die schon viele Generationen Eltern und Kinder hinter sich gelassen haben. Einerseits öffnet das Abitur unzählige Türen in alle Richtungen und andererseits ist ein Studium lange nicht mehr nur noch den Abiturienten vorbehalten. Viel wichtiger als der Abschluss selbst ist der Berufswunsch des jungen Menschen.

Wir sind uns also einig: Man sollte seinen eigenen Wünschen folgen. Aber es gibt viele Wege, die eigenen Wünsche zu erreichen. Tatsächlich gibt es gefühlt von Jahr zu Jahr mehr Wege. Was früher eine Auswahl zwischen Ausbildung und Studium und ggf. ein Job zur Überbrückung war, ist heute ein ganzes Arsenal von Möglichkeiten.

Das traditionelle Studium ist und bleibt beliebt und für einige Berufsgruppen (z.B. Ärzte, Anwälte) der einzige Weg. Doch auch das Studium hat sich in gewisser Weise gewandelt. So gibt es mittlerweile Fernstudiengänge, die es ermöglichen, ortsunabhängig zu studieren. Für einige öffnet das wichtige Türen für die eigene Entwicklung.

Ein wichtiger Kritikpunkt unter dem das Studium traditionell gelitten hat ist das Übermaß an Theorie. Der mangelnde Praxisbezug wurde durch neuartige duale Studiengänge ausgeglichen. Zugegebenermaßen lässt sich nicht alles auf diese Weise studieren. Dafür gibt es aber auch viele Studiengänge, die traditionelle Universitäten gar nicht anbieten wie z.B. Culinary Management oder Marketingmanagement, Studiengänge die sehr spezifisch auf den zukünftigen Traumberuf zugeschnitten sind. Auch braucht man für diese Studiengänge oftmals kein Abitur, sondern kann auch mit anderen Qualifikationen einsteigen.

Ein weiterer Klassiker ist und bleibt natürlich auch die Ausbildung. Mit oder ohne Abitur ist sie noch heute eine der beliebtesten Weiterbildungsmöglichkeiten nach der Schule und das nicht ohne Grund. Das deutsche System ist hoch anerkannt – national wie auch international – und bildet junge Menschen direkt in ihrem Beruf aus, sehr ähnlich dem neuen dualen Studiensystem.

Alternative Wege

Natürlich gibt es neben den traditionellen Wegen noch Alternativen. Viele junge Menschen wollen nach dem Abschluss der Schule nicht direkt in die Arbeitswelt einsteigen oder von einem Lehrbuch durch das nächste wälzen. Auf sie wartet die große weite Welt. Die einen reisen über kurz oder lang, andere kombinieren diese Erfahrung mit Arbeitsprogrammen wie Work & Travel oder einer Zeit als Au Pair. In allen Fällen lernen sie viel dazu und erfahren vieles über andere Kulturen und eigenständiges Leben. Daher sollte man auch diese Träume nicht einfach als „Lotterleben“ verwerfen, sondern ernsthaft in Betracht ziehen.

 

‚If you can dream it, you can do it.‘ (Zitat Walt Disney)