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Special im Juni: Frauen und das liebe Geld

Es war einer dieser Sommertage. Die Grillvorbereitungen mit Freunden in vollem Gange und es entwickelten sich Gespräche rund um die Themen wie Sparen, Rente, Freiheit, Gehaltsverhandlungen, nachhaltiges Investieren und so weiter.  Nach kurzer Zeit formierten sich zwei Grüppchen. Die Frauen, die sich offensichtlich bis dato noch nicht so richtig mit dem Thema auseinandergesetzt hatten, sonderten sich ab und die Männer fachsimpelten weiter unter sich.

Das erscheint zwar etwas aus der Zeit gefallen, dennoch haben 2/3 der Frauen tatsächlich keine Ahnung von Finanzen und Altersvorsorge und interessieren sich weniger dafür.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass Frauen in Deutschland nur mit Erlaubnis ihres Ehemanns Geld verdienen durften (bis 1974) oder kein eigenes Bankkonto eröffnen durften (bis 1962). Auch heute noch sind die Männer in der Familie beim Thema Altersvorsorge, Vermögensaufbau, Geldanlage federführend und kümmern sich tendenziell intensiver um Finanzen.  Mädchen wird dies immer noch über die Sozialisation eingeimpft.

Die Gleichberechtigung hört beim Geldverdienen auf

Kennen Sie die Teilzeit- und Hausfrauenfalle? Alle sind gleich, nur einer ist gleicher – der Mann. Seine bezahlte Tätigkeit ist mehr wert als Ihre Arbeit als Hausfrau, Mutter, Teilzeitarbeitende, Gärtnerin, Köchin und Altenpflegerin schließlich haben Sie noch Haus, Hund und alte Eltern. Sie haben keinen Status, weil Sie über kein oder nur geringes Einkommen verfügen. Geld schlägt Betreuungsleistungen. Beziehungsarbeit ist eindeutig weniger wert.

Nach der Geburt eines Kindes erholt sich der Verdienst der Frau nie wieder. Frauen steigen aus dem Beruf aus, machen häufiger Familienpausen oder familiären Pflegedienst, sind geringfügig beschäftigt oder arbeiten in Teilzeit und verpassen Karrierechancen. Im Schnitt machen sie dadurch in Deutschland Abstriche in Höhe von bis zu 61 Prozent. Erschwerend kommt hinzu, dass erwerbstätige Frauen häufiger in schlechter bezahlten Branchen arbeiten und seltener Führungs­positionen besetzen, als dies ihre männliche Kollegen tun. Das Geld, das man in Eltern- oder Teilzeit nicht verdient, fehlt nämlich jetzt auf dem Konto und später in der Rentenkasse.

Wir schreiben das Jahr 2021 – Gleichberechtigung ist heute ein präsenteres Thema als noch vor 10 Jahren. Es kann und darf nicht sein, dass ausschließlich Frauen die wirtschaftlichen Nachteile einer gemeinsamen Lebensentscheidung tragen.

Doch es gibt noch ein weiteres Problem: Viele Frauen trauen sich in Geldangelegenheiten zu wenig zu und fühlen sich schlecht informiert. Auch die mangelnde Ermutigung und Einbindung durch den Partner wirkt hemmend.

Auch hier dominiert häufig noch das alte Rollenbild.

Es ist immer höchste Zeit, sich ums Geld zu kümmern

Vor allem, wenn man kaum oder kein Geld hat. Denn: Geldanlage ist kein Selbstläufer mehr, man muss sich kümmern.

In jeder Lebenssituation lohnt es sich, die finanzielle Situation noch einmal neu zu analysieren. Ehe, Kindererziehung, Alter, jede Lebensphase ist mit finanziellen Risiken verbunden.

Aber wer setzt sich schon gerne mit der Rente auseinander? Das ist nicht sexy und ähnlich wie ein Zahnarztbesuch oder die Steuererklärung. Viele Frauen machen lieber nichts, damit sie nichts falsch machen. Dabei sind Frauen diejenigen, für die finanzielle Unabhängigkeit am wichtigsten ist – auch in Hinblick auf Rente und Co.

Das beste Investment ist die eigene Bildung

Was viele übersehen: Zuallererst bist Du selbst beziehungsweise deine Arbeitskraft dein wertvollstes Asset und es lohnt sich, weiter in Dein Wissen, in Deine Bildung, in Deine Entwicklung zu investieren. Nur so gelingen Fortschritt und Erfolg. Die Bildung ist die Geldanlage mit den höchsten Renditen und das sicherste Fundament für den Aufbau der privaten Altersversorgung. Aus diesem Grund kommt es auf die richtige Wahl des Berufes an – und auf frühes Sparen.

Es heißt, Bill Gates liest ca. 50 Bücher pro Jahr. Er weiß also sehr gut, dass er – auch jetzt noch – stets in sich selbst investieren muss. Eine gute Ausbildung lohnt also, mindestens ebenso ertragreich ist aber die ständige Weiterbildung über das gesamte Erwerbsleben.

Aus diesem Grund ist es weder klug, den Hörsaal als Hochzeitsmarkt, noch die Ehe als eine überzeugende Anlagestrategie zu nutzen. Die klassische Absicherung durch den Ehemann fällt einem spätestens dann auf die Füße, wenn nach einer Scheidung die finanziellen Nöte wachsen.

Glücklicherweise beschäftigen sich immer mehr Frauen, vor allem die jüngeren, mit Finanzthemen.

Da hilft nur ein guter Plan…

Besonders wenn Kinder ins Spiel kommen.

Am einfachsten ist es, wenn beide Partner gleich verdienen. Dann sind die Machtverhältnisse – und um die geht es (!) – annähernd gleich verteilt und die Chancen, dass sich beide gleich um Kinder und Haushalt kümmern, gut. Bei den wenigsten Paaren ist das leider der Fall.

Sobald einer mehr verdient als der andere, zieht dies eine Menge Folgeprobleme mit sich. Steuerklassen, Elternzeit. Am Ende ist der gefühlte Unterschied noch größer. Hinzu kommt ‚Gender Pay Gap‘ (Lohnlücke) und zwangsläufig ‚Pension Pay Gap‘ (Rentenlücke) bei den Frauen, die zu einer Differenz von rund 36 % Prozent im Schnitt führt. Dieses Ungleichgewicht wird in Deutschland durch das Ehegattensplitting noch gefördert, in dem es mit hohen Steuervorteilen die Ehen belohnt, in denen der Mann sehr gut verdient und die Frau wenig oder gar nichts. Es hält die Frauen eher von der Erwerbstätigkeit ab.

Doch wenn man schon ein Preisschild auf vieles macht, dann sollte man dies auch bei der Hausarbeit und Kindererziehung tun. Putzfrauen und erst recht Erzieher arbeiten nicht umsonst. In der App WhoCares kann man übrigens seine Sorgearbeit zeitlich erfassen und in Lohn umrechnen. Bei der Entscheidung eines Partners für Kind und Haushalt ist es ratsam, über einen vertraglich festgelegten Ausgleich für die Familienarbeit nachzudenken. Wie wird die Renteneinbuße ausgeglichen? Wie lange wird Unterhalt gezahlt, wenn die Partnerin länger als 3 Jahre zu Hause bleibt? Gerade die letzten beiden Fragen sollten vertraglich festgehalten werden. Und dies am besten noch vor dem Standesamt. Romantik, Naivität, Gedankenlosigkeit und manchmal falscher Stolz sind fehl am Platz.

Lücken errechnen

Helfen kann eine Beratung bei der Deutschen Rentenversicherung, die die Einbußen etwa durch Teilzeit berechnet. Der Partner kann die Lücken schließen einer langfristigen Anlage über Aktienfonds u.ä.

Finanztipps speziell für Frauen

Frauen haben einen anderen Blick auf das Finanzielle, in jedem Fall haben sie andere Lebenslagen zu meistern. Was hält uns also heute noch davon ab, die Finanzwelt zu erobern? Vor allem zwei Dinge: fehlendes Selbstbewusstsein und fehlendes Wissen. Aber wir müssen nicht Mathe studiert haben, um uns um die eigenen Finanzen zu kümmern.

Die Anzahl der Blogs, die um das Thema „Finanzen und Frauen“ kreisen, ist in den letzten Jahren genauso rasant gestiegen wie das Angebot an Finanzratgeber für Frauen, die sich nicht für Geld interessieren.

Es gibt eine wahre Flut an Ratgebern, Seminaren, Podcast-Reihen und Start-ups, die sich auf die Finanz-Beratung von Frauen spezialisieren. Das Beste, was man machen kann, sich hier objektiv zu informieren.

 

Fazit: Wären es die Lehmann Sisters gewesen und nicht die Lehmann Brothers – die Welt sähe heute anders aus. Frauen und das liebe Geld ist jedoch kein Trend-Thema, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe, die es anzugehen gilt. Also nehmen Sie Ihre Finanzplanung aktiv in die eigene Hand. Seien Sie selbstbewusst und zögern Sie nicht, denn aussitzen lässt sich dieses Problem leider nicht.