Familienleben /14. Juni 2019

Der Ausflug

Mein Leben als Familienvater – Über die täglichen Erfahrungen in einer Großfamilie mit vier Kindern erzählt unser Autor mal lustige und weniger lustige Geschichten und Alltags-Anekdoten. Bissig, humorvoll, aber immer mit einem Augenzwinkern.

 

Der Ausflug

 

Neulich hatten wir endlich wieder mal die ganze Familie zusammen, keiner musste zur Arbeit, Kirche oder in die Kneipe. Und die Sonne zeigte sich, also hieß es folgerichtig: Raus an die frische Luft. Nun ist es bekanntlich nicht einfach, die unterschiedlichsten Altersgruppen ohne Androhung drakonischer Maßnahmen oder aber Lockmittel zum gleichen Ziel zusammen zu bekommen. Unser Kleinster zum Beispiel freut sich noch über eine Ameise, während die knapp 14-jährige bei dem Wort Zoo eher milde lächelt und ihre Funktion mehr als Tante denn Tochter sieht. Die Mittlere ist allerdings perfekt aufgehoben, und die Allerkleinste hat noch keine Mitbestimmungsrechte. Also, alle ins Auto und ab in den Zoo.

Nachdem wir endlich im Parkhaus einen Platz gefunden hatten, erlebten wir einen wunderschönen gemeinsamen Tag. Der Highlight für die Älteste war wohl die Eiscreme zwischendurch, im Exotarium verzichtete sie lieber auf die – zugegeben sehr alten und damit wohlbekannten – Reptilien im Obergeschoß. Hat auch was für sich, so konnten wir den Kinderwagen in dem Lärm bei ihr lassen. Stunden später tauchte die Frage auf (der Rucksack mit Fressalien war längst geleert, der Hunger treibts bekanntlich rein), wohin nach dem Zoo-Besuch?

 

Das Kinder-Café

 

Sie kennen das Gefühl, wenn man von der Bedienung im Café schräg angeschaut wird, weil der Kinderwagen im Weg steht oder weil das Kind einfach zu laut ist? Sicherlich gibt es Familien, die Cafés oft mit einem Hort oder dem heimischen Wohnzimmer gleichsetzen, verwechseln oder zulassen, dass sich diese Unterscheidung verliert.

Beim Wälzen das Stadtmagazins entdeckten wir einen Höhepunkt der familiären Kulinarie. Also pilgerte unser Troß (das heißt, einpacken, anschnallen, Parkplatz suchen, abschnallen, auspacken = 30 Minuten Minimum) zu der begehrten Adresse und stellten fest: ein Kinder-Cafe macht sich in Frankfurt wohl hauptsächlich dadurch einen Ruf, dass der Betreiber beim Stadtmagazin anruft und sich anpreist. Die Wirklichkeit, dass der Wirt eine alte Spielesammlung ins Regal gestopft hat und ansonsten eine gewöhnliche Eck-Kneipe (seit 2008 immerhin rauchfrei) betreibt, stellt man erst vor Ort fest. Bevor uns aber ein negativer Beigeschmack zu diesem schönen Tag kommen konnte, waren wir befreit: es war sowieso kein Tisch frei. Allerdings saß bis auf eine Familie sonst nur das lesende Publikum bei Kaffee und Kuchen.

Wir gaben der Sache eine letzte Chance und landeten in Bockenheim bei dem legendären Kinder-Cafe Nähe Kirchplatz. Die Spielfläche so groß wie der Cafe-Betrieb, die Inhaberin einfach klasse, der Kuchen selbst gebacken. So soll es sein und da kommen wir gerne wieder. Trotz so starker Konkurrenz … Ach ja – meine Frau und ich kabbeln uns immer, wo es besser ist. In Frankfurt oder Berlin. Unsere beiden älteren Mädels sind ja in Berlin zur Welt gekommen und dort war natürlich alles besser. Ich sage dann immer, ja, die Cafe´s sind so leer, weil die Berliner alle pleite sind.

Aber ich muß zugeben – seine alte Spielesammlung legt dort kein Wirt ins Lokal …