Allgemein /27. November 2018

Der Übergang in die weiterführende Schule

Der Eingangsbereich des Gymnasiums platzt aus allen Nähten, der Lärm ist ohrenbetäubend, das Gewusel unübersichtlich. Wir kämpfen uns durch die Menge Richtung Turnhalle, wo der Direktor die Neuankömmlinge und ihre Familien begrüßen möchte. Die Gesichter der Kids sehen alle etwas angespannter aus, als vor vier Jahren zur Einschulung. Ich erinnere mich damals an freudestrahlende Kinder, die mit ihren bunten Schultüten neben ihren Kita-Freunden saßen und aufgeregt ihre neue Schule begutachteten.

Die Herbstferien sind nun schon länger vorbei, die Schulempfehlung rausgegangen und die Weichen für die weitere Schulkarriere mit Ende der vierten Klasse gestellt. Die Talente und das Können Ihres Nachwuchses glauben wir, ist abgesteckt, und soll nun so gut wie es geht unterstützt und in eine (schul)erfolgversprechende Richtung gelenkt werden.

 

Welche Schule soll es sein?

Die weiterführenden Schulen haben seitdem die Zeit genutzt und sich mittels Info- und Schnuppertagen, Probeunterricht sowie „Tagen der offenen Tür“ vorgestellt und von ihrer besten Seite gezeigt. Viele Eltern haben bereits ein gewisse Vorstellung im Kopf, welche Schule es sein soll, bevor sie einen Fuß hineinsetzen. Für die Kinder selbst ist die Sache noch viel klarer: Sie möchten mit ihren Freunden zusammen weiterhin die Schulbank drücken. Die Anmeldeverfahren für alle Schulen in freier Trägerschaft sind jetzt teilweise angelaufen und mit Beginn des nächsten Jahres gilt es, mit dem Halbjahreszeugnis den Wunsch nach Gymnasium, Real- oder Hauptschule noch zu unterstreichen.

Auf was sollten die Eltern für die beste weiterführende Schule ihrer Kinder achten ?

Sprechen Sie persönlich mit den Lehrern und gewinnen Sie einen eigenen Eindruck. Wie ist der Umgang der Lehrer untereinander, wie der zu meinem Kind? Wie sieht es mit der Schulausstattung wie Bibliothek, PC- und Musikräumen aus? Was macht der Pausenhof für einen Eindruck auf uns? Gibt es genug Platz zum Toben und eventuell sogar einen Ruheraum?  Ist mein Kind über eine Mensa versorgt? Wie ist die Hausaufgabenbetreuung und vielleicht sogar Nachhilfe geregelt. Und wie sieht es mit weiterführenden Angeboten wie Chor, Theater-AG oder Sportkursen aus?

 

Was beim Schulwechsel oder Übertritt zu beachten ist

 

Glaubt man den skeptischen Mienen der Kinder, dann beginnt jetzt mit dem Übertritt in die weiterführende Schule der „Ernst des Lebens“.

Nach Meinung der Experten fällt der Übergang in die weiterführende Schule vielen Kindern schwer, weil sie nach Ende der vierten Klasse noch sehr verspielt sind und den geborgenen Raum Grundschule nun verlassen sollen. Die Neigungen und Fähigkeiten sind mit 10 Jahren meist auch noch nicht so ausgeprägt, um hier eine klare Entscheidung fällen zu können. Durch die frühe Festlegung der Schulform kommen Fehlentscheidungen immer wieder vor. Deutschland hat hier weltweit ein Alleinstellungsmerkmal. In vielen erfolgreichen ‚PISA-Ländern‘, wie auch im angloamerikanischen Raum, bleiben die Kinder mindestens neun bis zehn Jahre im vertrauten Klassenverband zusammen.

 

Mit neuen Herausforderungen umgehen lernen

 

Eltern sollten deswegen die Erwartungen in ihre Kinder nicht zu hoch setzen. Arbeitnehmer haben oft eine Probezeit von sechs Monaten, Politikern gesteht man eine 100-Tage-Frist zu bei ihrer Arbeit. Eine gewisse Einarbeitungszeit bzw. Schonfrist sollten auch Schüler erhalten.

Für die Kinder ändert sich vieles, jetzt heißt es Einleben und Umgewöhnen. Der Schulweg wird für die meisten länger bzw. sie müssen selbständig öffentliche Verkehrsmittel benutzen. Die Schule ist wahrscheinlich größer und anonymer. Sie haben neue Klassenkameraden, mehr Fächer und viel mehr (neue) Lehrer und dadurch einen strafferen Stundenplan. Sie müssen mehr Leistung bringen und es wird insgesamt mehr Eigen- und Selbständigkeit erwartet. Gleichzeitig sind sie jedoch auch damit beschäftigt, neue Freundschaften zu schließen oder und eine gute Stellung in der Klassengemeinschaft zu erhalten.

 

Tipps für den Start in die fünfte Klasse

 

Kindern hilft es enorm, wenn Sie sehen, dass ihre Eltern noch an ihrer Seite stehen, auch wenn es  nach dem Wechsel von der ­Grundschule auf die Wunschschule vielleicht nicht geklappt hat. Wenn sie vermittelt bekommen, dass auch andere Wege zum Glück führen.

Für den Schulerfolg Ihres Kindes in der neuen Schule gibt es keine Gebrauchsanleitung, denn jedes Kind ist anders. Keine Klasse, kein Lehrer, keine Schule gleicht der anderen. Aber es gibt Richtlinien und eine grundlegende Haltung, wie Sie Ihre Kinder beim Eingewöhnungsprozess oder in Krisensituationen unterstützen können.

 

  • Es klingt banal, aber nichts ist für Kinder unangenehmer, als mit dem ‚kindischem‘ Ranzen aus der Grundschule in die neue Schule gehen zu müssen. Wahrscheinlich wird die Wahl auf einen ‚coolen‘ Rucksack fallen. In der Regel lohnt sich der Kauf, da es hier qualitativ gute Modelle gibt, die mehrere Jahre halten.
  • Fördern Sie die positive Einstellung zum Wechsel an die neue Schule. Seien Sie aufmerksam und nehmen Sie sich die Zeit anzuhören, was Ihr Kind bewegt und was es in der neuen Schule erlebt hat. Dezentes Nachfragen ist übrigens in Ordnung, aber kein Nachbohren.
  • Treten Probleme auf, sprechen sie darüber, so dass Ihr Kind damit nicht lange alleine ist. Versuchen Sie, gemeinsam nach einer Lösung zu suchen.
  • Freunde und der Kontakt zu neuen wie alten Klassenkameraden sind wichtig für das Wohlbefinden. Unterstützen und ermutigen Sie Ihr Kind, diese Kontakte nicht zu vernachlässigen.
  • Eine Ausgewogenheit zwischen dem Lernen in der Schule und Freizeit wie Freunde, Sport und Hobbys ist extrem wichtig. Die volle Konzentration kann nur erreicht werden, wer gedanklich auch mal abschalten kann. Angebote wie Computerclub, Tanz-AG oder Chor bieten die besten Chancen neue Freunde an der Schule zu finden, mit denen man auch außerhalb der Schule etwas unternehmen kann.
  • Geben Sie Ihrem Kind genug Zeit bei bei der Eingewöhnung. Reden Sie miteinander, seien Sie geduldig und verständnisvoll, statt Druck aufzubauen. Vertrauen Sie Ihrem Kind einfach und machen ihm Mut, auch wenn die Noten schlechter sind als in der Grundschule.

 

Eine Schule, die den Fähigkeiten, dem Arbeitsvermögen und den Interessen Ihres Kindes entspricht, sind für dessen gesamte Entwicklung förderlich und wird am Ende den Erfolg bringen.