Familienleben /14. Juli 2020

Geld – ein großes Thema für kleine Leute

Ich gebe zu, mit Geld oder komplexen Finanzfragen aus dem Alltag habe ich mich lange Zeit kaum auseinandergesetzt. Das war ein riesiger Fehler, denn ich habe die Kontrolle über meine Konsumausgaben verloren. Das zwangsläufige Ergebnis: Schulden und das mit noch nicht einmal 20 Jahren. Damit Ihre Kinder nicht die gleiche Erfahrung machen, finden Sie im Folgenden ein paar Hinweise und Anregungen.

 

Basis-Finanzwissen ist unverzichtbar

Ein Tweet der Schülerin Naina sorgte 2015 für Aufregung in den Medien: „Ich bin fast 18 und habe keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherung. Aber ich kann ne Gedichtssanalyse schreiben, in 4 Sprachen“.

Und: Naina hat Recht. Er traf den Nerv. Unzureichende Kenntnisse über finanzielle Alltagsthemen und daraus folgende zu hohe Konsumausgaben sind die Hauptgründe dafür, dass fast ein Drittel der 14- bis 24-Jährigen in Deutschland verschuldet ist. Der Bundesverband deutscher Inkassounternehmen nennt als Ursachen vor allem unzureichende Kenntnisse über wirtschaftliche Zusammenhänge, Finanzfragen und vertragliche Verpflichtungen.

 

Alltägliches rund ums Geld

Hauptsächlich ist es aber der alltägliche Umgang mit Geld, der vielen schwerfällt. Der Anteil der Überschuldung in der Altersgruppe unter 30 Jahren liegt bei 12 Prozent.

Idealerweise sollte die Schule grundlegende Kenntnisse über Finanzfragen vermitteln.

Dazu zählen Sparen und Finanzierung beziehungsweise Schulden, Geldanlage und Altersvorsorge. Auch das deutsche Steuersystem sollte ausführlich behandelt werden- wenige Schulabsolventen wissen, dass es hierzulande einen progressiven Steuertarif gibt und welche Steuerklassen existieren. Staatliche Leistungen, vom Arbeitslosen- bis hin zum Kindergeld und Riester-Förderung gehören ebenfalls auf den Stundenplan. Genauso unentbehrlich ist Basiswissen über Versicherungen. Nur wer weiß, welche Policen absolut wichtig sind und welche verzichtbar, kann sich gut und zu überschaubaren Gebühren absichern. In Zeiten knappen und teuren Wohnraums sollten Schüler auch alles zum Thema Mieten lernen. Dies umfasst die Frage, welcher Gehaltsanteil maximal für die Wohnung ausgegeben werden sollte. Außerdem sollten Jugendliche lernen, welche Klauseln ein Mietvertrag enthält und welche Nebenkosten regelmäßig anfallen. Allgemein steht die Regel, niemals mehr Konsumausgaben zu tätigen, als sich Verbraucher leisten können, absolut im Mittelpunkt.

Außerdem sollten Jugendliche lernen, alle Verträge gründlich zu lesen und zu prüfen, bevor sie diese unterschreiben. Schließlich geht ein Großteil der Schulden junger Leute auf Handyverträge zurück. Mindestens ebenso wichtig ist die Kontrolle von bargeldlosen Ausgaben beim Shopping mit Kreditkarte, über PayPal oder mit der Girokarte. Leider erfolgt dieses Wissensvermittlung bislang in den meisten Schulen wenn überhaupt, dann nur sehr unzureichend.

Bis sich daran etwas ändert, sind die Eltern gefragt.

 

Finanzplanung von Anfang an

 

Die Wünsche von Kindern und Jugendlichen sind groß, ihr Wissen, wie man sie finanziert, aber ist klein. Es ist auf jeden Fall nicht leicht, den eigenen Bedarf in einer stetig wechselnden Konsumgesellschaft immer im Blick zu haben. Wie sollen sie lernen, Einnahmen und Ausgaben sorgfältig im Blick zu haben? Auch weil in vielen Familien das Thema Geld tabu ist und im Unterricht zu wenig passiert.

Als kleinen Tipp empfehle ich das Spiel „Fit for finance“, das komplexe Finanzthemen aus dem Alltag von Jugendlichen in unterschiedlichen Lebensphasen behandelt. Es simuliert beispielsweise zielgruppengerecht den Erwerb eines Führerscheins, der Abschluss eines Vertrages für ein Smartphone, bis hin zur Anmietung einer Wohnung.

Taschengeld ist auch eine Super-Sache, nicht nur weil sich Mädchen und Jungen damit viele schöne Dinge kaufen können. Es eröffnet auch die Chance, in Geldangelegenheiten wichtige Erfahrungen zu sammeln. Ihre Kinder lernen im besten Fall, auf größere Konsumausgaben zu sparen und stets einen Notgroschen vorzuhalten. Doch das kann nur funktionieren, wenn Sie Konsequenz zeigen: Das Taschengeld hat eine bestimmte Höhe, wird regelmäßig ausgezahlt und Sonderzahlungen außerhalb der Reihe gibt es nicht. Wenn Ihr Nachwuchs diese Aufgabe gut bewältigt, können Sie bei älteren Kindern den nächsten Schritt wagen: Überlassen Sie Ihrem Kind ein Budget für bestimmte Ausgaben, wie zum Beispiel Bekleidung, Schuhe oder Schulmaterialien.

 

Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser

 

Liebevolle Eltern haben Verständnis dafür, dass ihre Kinder Fehler machen. Sie unterstützen ihre Söhne und Töchter dabei, daraus zu lernen. Dies gilt ganz besonders auch in Bezug auf Geldangelegenheiten. Damit es nicht zu einem großen Fiasko kommt, sollten Kinder sich angstfrei und vertrauensvoll an Sie wenden können, sobald sie ihren Irrtum bemerken. Mit Sicherheit finden Sie dann gemeinsam eine Lösung, sodass sich größere Schuldenberge gar nicht erst ansammeln können.

Reden Sie viel über Geld, das ist wirklich kein Tabu-Thema. Viele Kinder bekommen eine wesentlich realistischere Einstellung dazu, wenn Sie offen sind: Erläutern Sie, wie schwer es ist, Miete, Versicherungen und andere regelmäßige Ausgaben zu stemmen. Rechnen Sie öfter einmal vor, wie Sie Ihre Ausgaben planen und ermuntern Ihre Kinder, sich daran zu beteiligen.

 

Fazit:
Ein vernünftiger Umgang mit Geld ist gar nicht so schwer, muss aber so früh wie möglich gelernt und eingeübt werden. Eltern und Schule sind hier gleichermaßen in der Pflicht.