Special-Thema /29. September 2020

Special im Oktober: Basiswissen für junge Verbraucher – Fit for Finance

 

Die präzise Analyse eines Gedichts im Deutschunterricht, Vektor-Rechnung in Mathematik oder Step-Aerobic in den Sportstunden – all das lernen die Kinder heutzutage in der Schule. Finanzbildung bleibt weitgehend auf der Strecke. Wenn ich heute meine Kinder frage, welche Learnings für das Leben wichtig sind, schaue ich in überfragte Gesichter. Auf Youtube gebe es immer so eine Werbung, die ihr auffalle, meint meine Tochter. Ansonsten wenig.

Eins ist sicher: Weite Teile des Unterrichts sind es nicht. Vor allem die Befähigung zu einem adäquaten Umgang mit den eigenen Finanzen steht nicht auf dem Lehrplan. Dabei gehören Altersarmut, Überschuldung und Co. zu den größten Ängsten der jungen Generation.

 

Finanzen lernen heißt für das Leben lernen

Ein vernünftiger Umgang mit Geld und ein bedarfsgerechtes Finanzmanagement sind das A und O, um ohne Probleme durch das Leben zu gehen. Wer volks- und betriebswirtschaftliche Zusammenhänge nicht versteht, hat im privaten und beruflichen Alltag Probleme. Wenn meine Kinder in Zukunft unwissend ihre Finanzen verwalten, stehen mir schon heute die Haare zu Berge. Als Elternteil obliegt die Vermittlung von Finanzwissen wohl oder übel mir – dabei wäre es ein Leichtes, das Basiswissen für junge Verbraucher im schulischen Unterricht zu vermitteln. Ein paar Gedichtsanalysen weniger und es ist ausreichend Platz im Lehrplan für Geldanlage, Finanzmanagement und Altersvorsorge. Wer finanziell gebildet ist, kann langfristig sinnvolle Entscheidungen treffen. Die Finanzbildung beeinflusst zahlreiche Lebensbereiche wie die Entscheidung für einen Beruf, das Verständnis für politische Entscheidungen oder die Entwicklung eigener Pläne für die Altersvorsorge – Rentenlücke lässt grüßen.

 

Das Fach ‚Wirtschaft‘ in der Schule

Es scheint, dass einige Bundesländer den Bedarf einer umfassenden Finanzbildung erkannt haben. In Bayern, Niedersachsen, Baden-Württemberg und NRW wird Wirtschaft als Schulfach angeboten, damit unsere Kinder „ökonomische und politische Mündigkeit“ sowie Verbraucherkompetenzen lernen.

Allerdings steht und fällt der Nutzen mit der jeweiligen Ausbildung der Lehrkräfte. Bisher gibt es noch keine spezielle Lehrerausbildung für das neue Schulfach. Zudem ist der Inhalt des Lehrplans entscheidend. Wenn sich die Lehrkräfte auf theoretische Erwägungen oder historische Abhandlungen konzentrieren, bleibt der praktische Nutzen auf der Strecke. Veraltete Denkweisen zur Altersvorsorge via Sparbuch sind weit verbreitet – in diesem Fall wäre die schulische Finanzbildung kontraproduktiv und meine Kinder würden dank Negativzins geradeaus in die Altersarmut schlittern.

 

Drastische Folgen

Bis heute beteiligt sich Deutschland nicht am Pisa-Test zum Thema Finanzbildung – ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Doch was sind die Folgen für meine Kinder, meine Familie, meine Arbeit und das Land, wenn die Finanzbildung derart auf der Strecke bleibt. Immer weniger Menschen gründen ein neues Unternehmen. Gründergeist in Deutschland – weitgehend nicht vorhanden. Dabei sind innovative Denkansätze und Geschäftsmodelle unabdingbar, wenn ein Land langfristig wettbewerbsfähig bleiben möchte. Die Folgen einer unzureichenden Finanzbildung sind gravierend. Denn nur wer unser Wirtschaftsleben versteht, kann sich auch selbst eigenverantwortlich darin bewegen und Entscheidungen treffen.

 

Bildung fürs Leben mit Geld und Finanzthemen

Wer in fortgeschrittenem Alter auf die Schulbildung zurückblickt, erkennt die Lücken. Lernen ist ein lebenslanger Prozess, der niemals endet – nicht mit dem Eintritt der Volljährigkeit, dem Ende der Schulzeit, dem ersten Arbeitsvertrag oder dem akademischen Abschluss. Nichtsdestotrotz wäre es beruhigend zu wissen, dass meine Kinder in der Schule wertvolle Finanz-Basics vermittelt bekommen. Denn wie sollen Debatten über Klimawandel, Globalisierung oder die Finanzierung von Nachhaltigkeit, die von unseren Kindern mit so viel Interesse verfolgt werden, sonst verstanden werden.

Solange das nicht der Fall ist, sind wir als Eltern verantwortlich ein Basiswissen für junge Verbraucher zu vermitteln – Fit for Finance heißt die Devise.