Liebe mit Kind

Wochenenden sind ein Graus für Anna, denn von Freitag bis Sonntag wohnt Julius bei ihr und ihrem Partner Marko. Julius ist Markos Sohn aus erster Ehe. Und wenn Julius da ist, spielt Anna nur noch die zweite Geige.

 

Nichts ist für Marko so wichtig wie Julius und seine Wünsche. Was immer Julius will – es wird ihm gewährt. Regelmäßig gibt es deswegen Streit zwischen Marko und Anna, die sich ungeliebt, unwichtig und im Stich gelassen fühlt.

 

Die Probleme hinter dem Problem

Sie denken jetzt vielleicht, die Lösung sei einfach: Marko müsste sich nur ein wenig mehr um Annas Bedürfnisse kümmern und Anna etwas entspannter mit der Situation umgehen. Doch so einfach ist es nicht, denn wie bei fast allen wiederkehrenden Beziehungskonflikten gibt es verborgene Probleme hinter den Problemen. In Annas Fall sind dies belastende Kindheitserinnerungen, die von Markos Verhalten immer wieder getriggert werden und bei ihr bewirken, dass sie unkontrollierbar überreagiert. Beim Blick in ihre Familiengeschichte zeigen sich viele prägende schmerzvolle Erfahrungen – meist aus der frühesten Kindheit –, die Anna noch nicht verarbeitet hat. Gemeinsamkeit der alten Erinnerungen: Die kleine Anna fühlte sich immer wieder unverstanden, verlassen und ungeliebt.

Diese Muster der Vergangenheit haben sich in Annas Gehirn in Form neuronaler Verbindungen manifestiert und steuern auch im Erwachsenenalter ihr Verhalten, ob sie will oder nicht.

Auch Marko ist nicht frei in seinem Handeln. Er schaut zurück auf eine Kindheit mit einem Vater, der keine Zeit für ihn hatte. Deshalb beschließt Marko schon früh, es später einmal besser zu machen. Er will ein toller Vater sein – einer, der immer für seine Kinder da ist. Doch das Scheitern seiner ersten Ehe macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Er hat sich in Anna verliebt, deswegen seine Frau verlassen und damit seinem Sohn die Familie genommen. Prompt quälen ihn Schuldgefühle gegenüber Julius, gepaart mit der schmerzvollen Überzeugung, als Vater versagt zu haben und dem eigenen Anspruch nicht gerecht geworden zu sein. Dieser unbewusste Emotionscocktail ist es, der Markos Verhalten gegenüber Julius steuert und ihn überfürsorglich werden lässt.

Letztlich verbringen als Anna und Marko ihre Wochenenden immer zu fünft: Sie beide, Julius plus jeweils das beziehungsschädigend geprägte Unterbewusstsein von Anna und Marko. Diese Konstellation mit „unsichtbaren Mitspielern“ findet sich praktisch bei jedem Paar und ist für so gut wie alle Beziehungskonflikte mitverantwortlich. Deshalb funktionieren die gängigen Tipps von Paar-Therapeuten und Beziehungsexperten so schlecht, denn sie lassen außer Acht, dass hinter den Kulissen alte innere Programme ablaufen, die jede „vernünftige“ Lösung machtvoll sabotieren. Was also tun?

 

Wahrhaftigkeit als Schlüssel Nr. 1

Der erste Schlüssel für eine positive Veränderung ist Wahrhaftigkeit: bereit zu sein, schonungslos ehrlich bei sich nach Ursachen für die eigenen Reaktionen zu suchen, statt dem Partner die Schuld zugeben. Anna hat den Mut, wahrhaftig zu sein, und geht in sich. Bei der Selbstreflexion erkennt sie, wie beim Marko/Julius-Thema die Gefühle der erwachsenen Anna den Gefühlen der kleinen Anna ähneln, als diese von den Eltern immer wieder im Stich gelassen wurde. Um sich einen Überblick zu verschaffen, schreibt Anna alle Kindheitserinnerungen auf, die mit ihren heutigen übermäßigen Emotionen in Zusammenhang stehen könnten. Und sie entscheidet, nach Wegen zu suchen, um ihre Vergangenheit loszulassen, damit sie ihrem Liebesleben nicht mehr schadet. Einen solchen Weg findet sie in meinem Buch „Ändere nicht deinen Partner, ändere dich selbst“. Darin entdeckt sie neben zahlreichen Anregungen, unbewussten Glaubenssätzen und heimlichen Liebessaboteuren auf die Schliche zu kommen, auch eine ungewöhnliche Mentaltechnik: BSFF – Be Set Free Fast (Sei schnell davon befreit)

 

Innere Umstrukturierung als Schlüssel Nr. 2

Viele Menschen schrecken davor zurück, sich mit den dunklen Seiten Ihrer Psyche zu beschäftigen, weil sie glauben, dass die Veränderung lange und mühevoll ist. Doch mit der richtigen Methode ist das Gegenteil der Fall: Für die Bearbeitung von Annas fünf schlimmsten Kindheitserinnerungen benötigten wir nur 90 Minuten BSFF-Coaching per Skype. Danach konnte Anna an die Situationen zurückdenken, ohne dass es negativen Emotionen in ihr auslöste. Tage später schrieb sie mir, sie sei jetzt spürbar entspannter, wenn Marko die Bedürfnisse seines Sohnes über ihre stellte.

Wie hatten wir das so schnell geschafft? Um das zu verstehen, benötigen wir eine ungefähre Vorstellung vom Umgang unseres Gehirns mit emotionsstarken Erinnerungen: Solche Erlebnisse lassen ein Geflecht stabiler neuronaler Verbindungen entstehen, eine Art von Reiz-Reaktions-System. Wenn wir die Erfahrung im Gedächtnis wieder aufrufen, in dem wie beispielsweise darüber sprechen, werden die neuronalen Verbindungen weich und verformbar. Passiert nun nichts weiter, verfestigen sich die neuronalen Muster nach dem Gespräch wieder in ihrer Ursprungsform. Das ist dann so ein Fall von „schön, dass wir darüber gesprochen haben“. Kann man machen, bringt aber nichts.

Der entscheidende Schritt muss nun sein, die Verbindungen gezielt zu verändern, damit sie sich nach dem Gespräch in einer neuen, förderlichen Art verfestigen. Genau dies passiert bei der Arbeit der von mir optimierten Mentaltechnik BSFF. Sie kombiniert ein tiefenwirksames Antiviren-Programm fürs Gehirn mit hypnoseähnlichen Sätzen, die dem Innersten in kleinen Schritten Lust machen, Alten, Schmerzvolles loszulassen und durch die Vorstellung einer wohltuenden Vergangenheit zu ersetzen.

Auf diese Weise lassen sich viele innere Beziehungssaboteure unaufwendig beseitigen, u.a. ein niedriges Selbstwertgefühl, Verlustängste, nicht „Nein“ sagen können, die Neigung, für die Gefühle anderer die Verantwortung zu übernehmen, Zweifel an der eigenen Attraktivität, fehlendes Durchsetzungsvermögen, die Unfähigkeit, Wünsche, Bedürfnisse oder aktuelle Gefühle und Gedanken klar und offen zu artikulieren etc. Und natürlich gehören zu den Liebesstörern auch Schuldgefühle wie die von Marko. Hoffen wir, dass er sich auch bald meldet – per Telefon oder Skype -, damit er sie loslassen und sich verzeihen kann. Für eine glückliche Partnerschaft mit Anna und eine gesunde Beziehung zu seinem Sohn.

Mehr Informationen:
„Ändere nicht deinen Partner, ändere dich selbst. Negative Beziehungsmuster erkennen und auflösen. So machen Sie nie wieder dieselben Fehler“
mvg Verlag 16,99 €

 

Zur Autorin:

Gabriela Friedrich (www.gabriela-friedrich.de, gf@gabriela-friedrich.de) arbeitet seit über 25 Jahren als PR-Beraterin, Texterin und Telefon-Mentalcoach. Dabei liegt ihr besonders am Herzen, Menschen zu einem wahrhaftigen Lebensstil zu ermutigen, der in Einklang mit ihrem inneren Wesen steht.  Außerdem publiziert sie Fachartikel und Bücher über den richtigen Umgang mit Emotionen in Privatleben und Wirtschaft. Seit 2012 sind von ihr bereits vier Bücher erschienen, die sich jeweils mit Partnerschaft, Ängsten/Gelassenheit, emotionaler Kompetenz in der Wirtschaft und vorbildhaften Bankern beschäftigen. Mit dem Taunus verbinden sie enge familiäre Bande. Kontakt über