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Mehr Sorglosigkeit für Familien /11. Januar 2018

Wenn die Kinder aus dem Haus sind

 

Wenn die Kinder aus dem Haus gehen, beginnt für  Eltern eine neue Lebensphase. Sie erfordert Loslassen und  Sich Einfinden in  ungewohnte Freiräume.

Die Eltern bleiben in unterschiedlichen Situationen zurück: alleinstehend, in Partnerschaft mit dem Vater der Kinder, in neuer Partnerschaft. Das empty-nest-Syndrom, das häufig nach dem Auszug aller Kinder auftritt, sollte bewusst wahrgenommen, reflektiert, hinterfragt und aktiv zu positiven neuen Lebensweisen umgestaltet werden.

 

Abschied nehmen von einer Lebenszeit

Der Fortgang eines erwachsen gewordenen Kindes aus dem gemeinsamen Leben, das Verlassen des Hauses, der gemeinsamen Wohnung, der Eintritt in die Selbständigkeit ist ein Lebenseinschnitt für  Kinder und Eltern gleichermaßen. Ein Wechselbad unterschiedlicher Gefühle und nicht vorhersehbarer Empfindungen. Mutter, Vater, Geschwister – alle sind traurig, neugierig, hoffnungsvoll – vieles zugleich.  Die Kinder wohnen nun  in einer eigenen Wohnung und gehen ihre eigenen Wege.

 

 

Unterschiedliche Lebenssituationen

Der Trennungsprozess sowie das anschließende Leben ohne Kinder gestaltet sich häufig in anderer Weise, wenn Eltern alleinlebend/alleinerziehend sind, d.h. wenn sie ihre Kinder ohne Partner großgezogen haben als bei Elternpaaren, die in Partnerschaft leben. Elternpaare geben sich gegenseitig Halt, sie haben Kommunikationspartner, sie sind nicht allein im Haus. Allein lebenden Müttern fällt das Fortgehenlassen der Kinder meist schwerer als Paaren, die gemeinsam ohne Kinder im Haus weiterleben. Die unterschiedlichen gesellschaftlichen Verhältnisse beeinflussen den Ablösungsprozess: gemeinsames Zurück bleiben trägt sich leichter. Auch Eingebunden sein in engagierte Berufstätigkeit mildert Verlassenheitsgefühle.

 

Widersprüchliche Gefühle

Wenn die Kinder aus dem Haus gehen, sind die Eltern, insbesondere die Mütter, wechselnden Gefühlen und Empfindungen ausgesetzt: einerseits ist mit dem Loslassen Wehmut verbunden, andererseits bringt eine (wieder)gewonnene Freiheit Zeit für neue Gestaltungsräume.

Manche Mütter, die sich schwertun mit der Ablösung, geraten in eine Selbstwertproblematik hinein, wenn sie in ihrer Mutterrolle aufgegangen und keiner oder wenig Berufsausübung nachgegangen sind.

Viele Mütter empfinden Trauer um das Loslassenmüssen, sie geht einher mit der Veränderung des Alltags, dem Wegfall von Fürsorge und Verantwortung und nicht zuletzt dem Verlust eines emotionalen kommunikativen Kontakts.

Vor allem bei alleinlebenden Frauen ist der Fortgang der Kinder besonders schmerzhaft, da sie  vielfach alleinige Ansprechpersonen waren und zudem die Verantwortung oft in ihren Händen lag und von ihnen als Person mehr Nähe und Bindung in die Beziehung eingebracht wurde.

Alleinerziehende Frauen erleben den Fortgang ihrer Kinder deutlicher, intensiver und setzen sich bewusster damit auseinander. Gerade die Frauen, die viel von ihrem Eigenleben ihren Kindern zuliebe aufgeben mussten, weil sie allein in der Erziehungs- und Versorgungsverantwortung standen, leiden unter dem Auszug  der Kinder stärker.

Nach dem Fortgang der Kinder wird mit der Zeit die andere Seite der neuen Lebenssituation deutlich: mit den gewonnenen Freiräumen lassen sich wieder alte und/oder neue Freizeitmöglichkeiten, ehrenamtliche Tätigkeiten oder die Entdeckung neuer Berufsfelder realisieren und lange gehegte Gestaltungsträume in Taten umsetzen.

 

 

 

Wie kann ich den Auszug meiner Kinder von zu Hause positiv gestalten?

Neue Forschungen zeigen auf, dass die Mütter mehrheitlich den Auszug der Kinder akzeptieren und den neu gewonnenen Freiraum und die Arbeitsentlastung in Haushalt und Erziehung genießen. Die Fähigkeit, den Auszug der Kinder als eine selbstverständliche Entwicklungsstufe zu bewerten und positiv damit umzugehen, ist stark mit der eigenen Zufriedenheit von Müttern verbunden. (B. Levecke, Familienhandbuch S.3)

Je stärker Frauen in ihrer Berufstätigkeit eingebunden sind und sich dort oder in anderen sozialen, gesellschaftlichen oder kreativen Bereichen engagieren, umso eher können sie ihre Kinder gehen und selbständig werden lassen ohne in eine depressive Leere zu fallen.

Sich an der Entwicklung und dem Erwachsensein der Kinder zu freuen und sie auch aus der Ferne durch Anteilnahme zu begleiten, kann ein Gefühl des Stolzes und Erfolgs hervorrufen, das ein Empfinden der Trauer über das Alleinzurückbleiben ausgleicht.

Ein paar  Anregungen können hilfreich sein:

  • Gehen lassen
  • Keinen Besuchsdruck ausüben
  • Wenn nötig, Hilfe anbieten
  • Sich neuer Freiräume bewusst werden
  • Eigene Interessen wieder entdecken, neue entdecken
  • Sich langsam langjähriger Verantwortung entledigen

 

Und die Kinder?

Sie sollten ohne Schuldgefühle gehen können.

Für sie ist es wichtig, nach dem Auszug ein gutes Verhältnis und regelmäßigen Kontakt zu ihren Eltern zu haben, eine positive Balance zwischen Nähe und Distanz zu finden.

So können zu den selbständig gewordenen und eigenständig lebenden Kindern  stabile Gefühle der Verbundenheit wachsen trotz räumlicher Ferne.

 

 

 

Zur Autorin

Sylvia Rosenkranz-Hirschhäuser lebt im Taunus. Sie hat zwei Töchter und zwei Enkelkinder.
Während und nach ihrer Tätigkeit als Grundschullehrerin und einem Studium der Kunstgeschichte an der Städel Abendschule publiziert sie als freie Autorin und stellt Fotografien aus.

Telefon: +49 6083-1229,
Web:  www.rosenkranz-hirschhaeuser.de
E-Mail: s.rosenkranz-hirschhaeuser@t-online.de

 

Zu dem vorliegenden Thema verfasste sie 2008 das Buch: „Wenn die Kinder aus dem Haus sind“

Weitere Publikationen:
Pädagogische Fachartikel, Schultheaterstücke,  Kinderbücher sowie Reiseberichte in verschiedenen Verlagen und Zeitungen (Oldenbourg, Klett, Raabe, Neckar, Westermann, Cornelsen).

2010 Sachbuch: Du bist nicht mehr meine Freundin, U. Helmer Verlag
2012 Erzählung: Franz tötet Anna, U. Helmer Verlag
2016 Sachbuch: Abgeschoben oder aufgehoben? Erfahrungen aus Seniorenheimen, Verlag Ludwig

 

 

 

 

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