Wenn Mütter nicht mehr können…

Haushalt managen, Kinder versorgen, Eltern pflegen – nach wie vor sind es meist die Mütter, die die Hauptlast des familiären Alltags tragen. Häufig kommt noch eine Berufstätigkeit dazu. Zeit jenseits des Alltagsmanagements wird rar, oft fehlt am Ende die Antriebskraft für gemeinsame Familienaktivitäten, Freunde oder Sport. So hatten sich die meisten Frauen das Familienleben jedoch nicht vorgestellt.

Am Anfang einer Beziehung sind sich die meisten Paare einig, dass sie eine „moderne“ Rollenverteilung leben möchten. Haus- und Familienarbeit soll dementsprechend zu gleichen Teilen von Mann und Frau übernommen werden. Doch die Realität sieht meist anders aus. Spätestens mit der Geburt des ersten Kindes fallen viele Paare in alte Rollenmuster zurück: Die Frau bleibt mit dem Baby zu Hause und der Mann geht als „Ernährer der Familie“ in Vollzeit arbeiten. Dies geht aus mehreren Studien zum Beispiel des Frankfurter Instituts für Sozialforschung oder auch aus Zahlen des Statistischen Bundesamts hervor.

Dabei stellt ein Neugeborenes das eigene Leben zunächst einmal auf den Kopf. Nichts ist wie vorher. Schlaflose Nächte, Kinderkrankheiten, Schreiattacken, die ersten Zähne, der erste Brei – Eltern müssen ihr Kind erst kennenlernen und einen gemeinsamen Rhythmus finden. Hinzu kommen die ungewohnte Situation, plötzlich den ganzen Tag mit dem Kind zu Hause zu sein, sowie der Umstand, dass familiäre Sorgearbeit auch in einer modernen Gesellschaft als selbstverständlich angesehen wird. Die dadurch fehlende Anerkennung für ihr Engagement lastet vielen Müttern über Jahre hinweg auf der Seele.

Wird das Kind größer, ändern sich die Umstände, aber die Anforderungen werden nicht weniger. Um Kinderbetreuung, Paarbeziehung, Haushalt, Job, etc. „unter einen Hut“ zu bringen und den Alltag in der Familie am Laufen zu halten, stellen viele Frauen wie selbstverständlich ihre eigenen Bedürfnisse hinten an. Sport, Entspannung, abends ausgehen? Fehlanzeige! Jeder Tag ist „getaktet“, die Mütter stehen ständig unter Zeitdruck und entwickeln zunehmend Selbstzweifel hinsichtlich der gefühlt hohen Erwartungen von außen.

Wird der Stress irgendwann zu groß, ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Körper reagiert. Doch was dann? Symptome behandeln und weitermachen bis zur nächsten Krankheit? Diesen Teufelskreis zu durchbrechen oder gar nicht erst auszulösen, ist das Ziel einer Mütter- oder Mutter-Kind-Vorsorge- bzw. Reha-Maßnahme, umgangssprachlich als „Kur“ bezeichnet.

 

Aktiv an der eigenen Gesundheit arbeiten

 

Die Vorsorge-/Reha-Maßnahmen für Mütter setzen dort an, wo ein Urlaub keine Regeneration mehr bietet und eine gezielte Therapie aufgrund gesundheitlicher Störungen und hoher psychischer Belastung notwendig ist. Abseits von den häuslichen Verpflichtungen haben die Frauen Zeit, sich auf sich selbst zu besinnen, und erhalten viele Anregungen für die Gestaltung ihres Alltags in der Familie und für ihre Gesundheit. Ganz wichtig sind der Austausch mit den anderen Patientinnen sowie das Gefühl, mit der eigenen Situation nicht alleine zu sein. Je aktiver die Frauen bei den Angeboten mitmachen, umso mehr nehmen sie für sich aus der Zeit in der Einrichtung mit nach Hause. Eine Kur ist eine Maßnahme zur nachhaltigen Stärkung der Gesundheit und daher in keiner Weise mit einem Urlaubsaufenthalt gleichzusetzen.

Die Mutter-Kind-Kliniken setzen auf einen ganzheitlichen Therapieansatz, der nicht nur die medizinischen Aspekte, sondern auch die Lebensumstände der Patientinnen mit einbezieht. Der Therapieplan wird individuell nach den jeweiligen Bedürfnissen zusammengestellt und umfasst zum Beispiel psychologische oder pädagogische Gespräche, Bewegungsprogramme, Physiotherapie, Ernährungsberatung oder andere Schulungen.

Auch die Mutter-Kind-Interaktion spielt eine große Rolle. Eltern-Kind-Entspannung oder gemeinsame sportliche und kreative Aktionen stärken die alltagsbelastete Beziehung zwischen Groß und Klein. Viele Mütter berichten nach einer Kur, dass sie durch diese qualitativ hochwertige Zeit mit ihrem Kind eine neue Einstellung zu ihrer Rolle als Mutter gefunden haben.

Während der Therapiezeiten werden die Kinder in altersgerecht gemischten Gruppen pädagogisch betreut. Für Schulkinder bieten die Kliniken überdies schulunterstützenden Unterricht in kleinen Gruppen an.

Einige Kliniken bieten auch spezielle Schwerpunktkuren für besondere Krankheitsbilder oder Belastungskonstellationen an (zum Beispiel Adipositas, ADS/ADHS, Asthma, Neurodermitis, Trauer, Trennung). Andere Häuser sind auf spezielle Patientengruppen spezialisiert (zum Beispiel Mütter/Väter mit behinderten Kindern, Alleinerziehende oder Frauen in Pflegeverantwortung).

 

Beratung ist das A und O

 

Auf der Suche nach der richtigen Hilfe wenden sich viele Frauen und Männer an die Beratungsstellen für Müttergenesung. Im Verbund der KAG Müttergenesung sind es über 350 Beratungs- und Vermittlungsstellen, bei denen man sich über die Möglichkeiten einer Mütter- oder Mutter-Kind-Kur sowie das Antragsverfahren bei den Krankenkassen informieren kann. Die BeraterInnen unterstützen zudem dabei, eine passende Klinik zu finden.

Studien belegen, dass zwei Drittel der Mütter die positive Wirkung der Kurmaßnahme sogar noch ein Jahr später spüren. Ein Grund dafür ist, dass die Frauen auch nach dem Kuraufenthalt in ihrer Beratungsstelle vor Ort AnsprechpartnerInnen haben, die sie dabei unterstützen, die Impulse auch in den Alltag übertragen zu können, zum Beispiel durch die Vermittlung von weiteren Beratungsangeboten, Gesundheitskursen oder Gesprächsgruppen.

 

 

Martina Stephan, Marketing-Referentin KAG Müttergenesung e.V.

Martina Stephan

Zur Autorin

Martina Stephan arbeitet seit Februar 2019 als Marketing-Referentin für die Katholische Arbeitsgemeinschaft (KAG) für Müttergenesung e. V. mit Sitz in Freiburg im Breisgau.

Die KAG ist der Verein innerhalb der Caritas, der sich seit über 80 Jahren in seinem Anliegen speziell Fragen der Gesundheit von Müttern und Kindern – in den letzten Jahren verstärkt auch Vätern – sowie der Unterstützung für Familien widmet. Sie ist zudem die größte der fünf Trägergruppen in der Elly-Heuss-Knapp-Stiftung, Deutsches Müttergenesungswerk.

Der KAG sind 21 Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen für Mütter/Väter sowie Mütter/Väter mit Kindern mit rund 2.000 Plätzen angeschlossen. In über 350 Beratungs- und Vermittlungsstellen der örtlichen und regionalen Caritasverbände sowie der Trägerverbände der KAG beraten Fachkräfte ca. 35.000 Frauen und Männer pro Jahr. Mehr als 14.000 Frauen und Männer sowie 19.000 Kinder nehmen jährlich an Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen für Mütter/Väter/Mutter-Kind/Vater-Kind teil.

Ob eine Mütter- oder Mutter-Kind-Kur für Sie das Richtige wäre, erfahren Sie beim Online-Kurtest des Müttergenesungswerks: https://www.muettergenesungswerk.de/online-kurtest-machen.html


Kontakt

Kath. Arbeitsgemeinschaft für Müttergenesung e.V.
Bundesgeschäftsstelle im Deutschen Caritasverband e.V.
Karlstraße 40
79104 Freiburg
Tel.: +49 761/200-902
Fax. +49 761/ 200 11902

Mail
Web