© Vintage couple hugs and laughing .Coffee shop. instagram toned

Wir sind nicht nur Eltern: Wie man die Liebesbeziehung im Familientrubel nicht vergisst

Viele Paare erleben irgendwann, dass sie zwar hervorragend als Eltern funktionieren, aber kaum noch Zeit füreinander haben. Denn zwischen Brotdosen, Elternabenden und Bergen von Schmutzwäsche bleibt die Liebesbeziehung nur allzu leicht auf der Strecke. Immer muss dringend etwas erledigt werden und die Kinder kommen an erster Stelle. Und selbst wenn es mal ruhig ist, irgendwie steckt man doch im „Elternmodus“. Ich erinnere mich an einen Abend, an dem mein Partner und ich endlich einmal allein auf dem Sofa saßen. Die Kinder schliefen, die Küche war aufgeräumt, das Handy still. Eigentlich eine gute Gelegenheit für Zweisamkeit, vielleicht sogar Romantik. Und trotzdem sprachen wir nur darüber, wer morgen Milch und Käse kauft und was vor der anstehenden Klassenfahrt noch organisiert werden muss. Den Familienalltag haben wir im Griff, aber hatten wir uns als Paar ein Stück weit verloren?

Wieder mehr Paar sein

Partnerschaften verändern sich ständig. Die Schmetterlinge im Bauch werden irgendwann ruhiger und machen Platz für eine tiefere, unaufgeregtere Liebe. Das fühlt sich sicher an, beständig. Das heißt aber nicht, dass die Liebe nicht verkümmern kann, wenn sie nicht die nötige Aufmerksamkeit bekommt. Und auch wer Kinder bekommt, wird nicht automatisch für immer emotional verbunden bleiben. Die Elternbeziehung braucht genauso Pflege wie die Familie. Und manchmal beginnt diese Pflege mit einer simplen Erkenntnis: Wir dürfen uns als Paar wichtig nehmen. Wie vermutlich viele Eltern haben wir unsere Paarbeziehung in den Hintergrund gestellt und gedanklich auf eine Zeit verschoben, „wenn wieder mehr Ruhe ist“. Aber seien wir mal ehrlich: Es ist nie wirklich ruhig mit Kindern. Deshalb sollte man auch nicht darauf warten, dass die Kinder flügge werden, um seine Liebesbeziehung neu zu beleben.

Feste Termine für die Liebe

Wenn uns etwas wichtig ist, tragen wir es in den Kalender ein: Arztbesuche der Kinder, Schulaufführungen, Geburtstagspartys. Warum gilt das nicht auch für die eigene Beziehung? Es klingt banal, aber ist tatsächlich sehr effektiv, feste Termine zu vereinbaren, an denen man sich auf die Partnerschaft konzentriert. Das kann zum Beispiel eine Date-Night im Monat sein, wo man für einige Stunden die Elternrolle hinten anstellt. Das muss weder teuer noch spektakulär sein. Entscheidend ist eher die Haltung dahinter: Heute geht es nicht um To-do-Listen oder Kinderorganisation, sondern um uns. Und dann ist es fast egal, ob man ein teures Restaurant besucht, ins Theater geht oder einfach einen entspannten Filmabend macht, wenn die Kinder im Bett sind. Die bewusste Zeit zu zweit kann einen wieder näher zueinander bringen und erlaubt es, den anderen nicht hauptsächlich als Mama oder Papa wahrzunehmen, sondern als begehrenswerten Partner.

Intimität und Leidenschaft

„Wie entstehen eigentlich zweite Kinder?“ Diese Frage hat Carolin Kebekus vor einiger Zeit öffentlich gestellt. Sie berichtet von einem Phänomen, das vermutlich die meisten Eltern kennen. Sobald ein Kind auf der Welt ist, bestimmt dieses den Alltag und obendrein ist man ständig erschöpft. Für Leidenschaft bleibt da oft kein Raum mehr. Dabei verschwindet die Freude an Sex ja nicht einfach, bloß, weil man Eltern geworden ist. Bei Sex geht es außerdem nicht nur um Befriedigung, sondern auch um Nähe und Intimität, darum den Partner, aber auch sich selbst zu spüren. Er schafft Verbundenheit. Im stressigen Familienalltag gibt es jedoch nicht viele Gelegenheiten, in denen Lust überhaupt aufkommen kann, und selbst wenn sie mal da ist, kann sie nicht immer auch ausgelebt werden. Spontane Momente entstehen selten, wenn jederzeit jemand ins Schlafzimmer platzen könnte. So unromantisch es auch wirken mag, kann auch hier Planung helfen. Sich bewusst Freiräume für Intimität zu schaffen, etwa indem die Kinder für ein paar Stunden die Großeltern besuchen, kann notwendig sein, um sich körperlich wiederzuentdecken. Dabei geht es nicht darum, um jeden Preis Sex zu haben. Einfach mal den organisatorischen Kram vergessen und wie Teenies knutschen oder Musik anmachen und im Bett kuscheln, ganz ohne Druck. Auch das kann sehr schön sein und möglicherweise führt ja tatsächlich eins zum anderen und der Wunsch nach einem weiteren Kind erfüllt sich schneller als man denkt. Für manche ist die Möglichkeit einer weiteren Schwangerschaft allerdings auch ein absoluter Lustkiller. Insbesondere, wenn die Familienplanung abgeschlossen ist, also keine weiteren Kinder mehr gewünscht sind, kann die Sorge, trotzdem schwanger zu werden, belastend sein. Aus Angst vor einer Verhütungspanne verliert Sex die Leichtigkeit, wird möglicherweise sogar vermieden. Dann kann es sinnvoll sein, sich über eine dauerhafte Lösung zu informieren. In Deutschland lassen sich jedes Jahr zwischen 30.000 und 50.000 Männer sterilisieren. Eine Vasektomie ist medizinisch gesehen ein vergleichsweise kleiner Eingriff, egal für welche der Vasektomie Arten man sich entscheidet. Emotional kann sie jedoch eine große Wirkung haben. Viele Paare berichten, dass allein das Gefühl von Sicherheit wieder mehr Spontaneität und Unbeschwertheit in die Beziehung bringt. Man sollte sich aber wirklich sicher sein, ob man diesen Schritt gehen möchte.

Kleine Paarmomente im Alltag

Paarzeit bedeutet nicht nur Date-Nights oder Sexualität. Oft geht es vielmehr darum, sich im Alltag wieder als Einheit wahrzunehmen, nicht nur funktionierend, sondern verbunden. Uns hat beispielsweise geholfen, kleine Rituale einzuführen. Die Tasse Kaffee am Morgen gemeinsam zu trinken. Das Handy abends außer Reichweite legen und sich bewusst füreinander interessieren und nicht nur über den Familienalltag sprechen. Ein Abschiedskuss oder eine Umarmung, wenn einer das Haus verlässt. Sich abends im Bett gegenseitig etwas vorlesen. Man muss sich im Familientrubel nicht zwischen Elternsein und Liebespaar entscheiden. Beides darf gleichzeitig existieren.

Warum eine starke Paarbeziehung auch den Kindern guttut

Ich bin immer wieder erstaunt, wie stark Kinder spüren, wie es ihren Eltern geht. Sie erleben täglich, ob zu Hause nur organisiert oder auch richtig geliebt wird. Ob die Erwachsenen miteinander lachen, sich respektieren und Nähe zeigen. Ein glückliches Familienleben hängt nicht davon ab, ob Kinder pünktlich zum Schwimmkurs kommen oder gesunde Pausenbrote essen. Nicht Perfektion macht Familien stark, sondern emotionale Verbundenheit. Wenn Eltern sich wieder als Teil einer Paarbeziehung wahrnehmen, profitieren deshalb oft alle davon. Die Stimmung zu Hause verändert sich und Konflikte eskalieren seltener. Kinder müssen nicht Mittelpunkt jeder einzelnen Minute sein, um glücklich aufzuwachsen. Im Gegenteil, sie dürfen erleben, dass ihre Eltern Menschen mit eigenen Bedürfnissen und einer eigenen Beziehung sind. Und was man nicht vergessen sollte: Man ist für seine Kinder auch immer ein Vorbild. Welche Paarbeziehung möchte man ihnen vorleben? Sie werden sich mit großer Wahrscheinlichkeit bewusst oder unbewusst daran orientieren, wie sie ihre Eltern als Liebende wahrgenommen haben. Ich möchte meinen Kindern zeigen, dass Liebe im Alltag bestehen kann, dass Verantwortung und Zuneigung zusammengehören. Und auch, dass es wichtig ist, Beziehungen aktiv zu gestalten.