
Frühstartrente: Der Staat spart künftig für Kinder – was Familien jetzt wissen sollten
Als mein Sohn mit seinem viel zu großen Schulranzen stolz durch das Schultor lief, dachte ich an vieles: neue Freunde, das Lesenlernen, Mathehausaufgaben und daran, wie schnell die Zeit wohl vergehen würde. An seine Rente? Ehrlich gesagt keine Sekunde. Doch genau dort setzt die geplante Frühstartrente der Bundesregierung an. Während Kinder die ersten Schritte ins Schulleben machen, soll gleichzeitig ganz automatisch der Grundstein für ihre finanzielle Zukunft gelegt werden – mit zehn Euro im Monat, die der Staat in ein Vorsorgedepot einzahlt.
Zehn Euro klingen zunächst nicht nach viel. Doch über viele Jahrzehnte kann aus diesem kleinen Betrag ein beachtliches Polster für den Ruhestand werden. Was genau steckt hinter der Frühstartrente und welche Kinder profitieren davon?
Ein kleiner Betrag mit großer Wirkung?
Stellen Sie sich vor, Ihr Kind geht am ersten Schultag mit Schulranzen und Schultüte los – und gleichzeitig beginnt ganz automatisch der Aufbau einer kleinen Altersvorsorge. Genau das plant die Bundesregierung mit der neuen Frühstartrente. Monat für Monat sollen zehn Euro in ein Vorsorgedepot fließen. Klingt wenig? Über viele Jahrzehnte könnte daraus dennoch ein beachtliches Startkapital für den Ruhestand werden.
Doch wer profitiert von der neuen Regelung? Und was bedeutet sie konkret für Familien?
Was ist die Frühstartrente?
Das Bundesfinanzministerium hat den Gesetzentwurf für die Frühstartrente fertiggestellt. Ziel ist es, Kindern schon früh den Einstieg in die private Altersvorsorge zu ermöglichen.
Geplant ist, dass der Staat für jedes schulpflichtige Kind vom 6. bis zum 18. Lebensjahr monatlich zehn Euro in ein Vorsorgedepot einzahlt. Das entspricht 120 Euro pro Jahr beziehungsweise insgesamt 1.560 Euro über den gesamten Förderzeitraum – noch bevor mögliche Renditen hinzukommen.
Wer bekommt die Förderung?
Nicht alle Kinder werden automatisch berücksichtigt.
Nach dem aktuellen Gesetzentwurf gilt die Frühstartrente zunächst für Kinder ab dem Geburtsjahr 2020. Diese sollen als erste von der Förderung profitieren. In den Folgejahren kommen jeweils die nachfolgenden Geburtsjahrgänge hinzu.
Ältere Kinder, die vor 2020 geboren wurden, sind nach der derzeitigen Planung nicht anspruchsberechtigt.
Müssen Eltern etwas tun?
Ja – zumindest, wenn sie selbst entscheiden möchten, wie das Geld angelegt wird.
Eltern können für ihr Kind einen förderfähigen Vorsorgevertrag bei einem privaten Anbieter abschließen. Das staatliche Guthaben darf dabei innerhalb bestimmter Grenzen auch privat aufgestockt werden.
Wer keinen eigenen Vertrag abschließt, muss jedoch nicht befürchten, dass die Förderung verfällt: In diesem Fall wird das Geld zunächst gemeinschaftlich am Kapitalmarkt angelegt und kann später in ein persönliches Depot übertragen werden.
Warum setzt der Staat auf Aktien und Kapitalmarkt?
Die Bundesregierung verfolgt mit der Frühstartrente mehrere Ziele.
Zum einen soll der lange Anlagezeitraum von über 60 Jahren genutzt werden. Historisch haben breit gestreute Kapitalmarktanlagen über lange Zeiträume attraktive Renditechancen geboten.
Zum anderen soll finanzielle Bildung gestärkt werden. Kinder und Jugendliche sollen früh erleben, wie langfristiges Sparen und Investieren funktioniert und Vertrauen in den Vermögensaufbau entwickeln.
Ein weiterer Gedanke: Alle Kinder sollen unabhängig vom Einkommen oder den finanziellen Möglichkeiten ihrer Eltern die Chance auf einen kleinen Vermögensaufbau erhalten.
Wann können Kinder über das Geld verfügen?
Das angesparte Vermögen bleibt zunächst unangetastet.
Die Erträge sollen bis zur Auszahlung steuerfrei wachsen. Ausgezahlt werden kann das Geld frühestens ab dem 65. Lebensjahr als zusätzliche Altersvorsorge. Erst dann wird die Auszahlung versteuert.
Was kostet die Frühstartrente?
Nach Berechnungen des Bundesfinanzministeriums entstehen für den Bund rund 200 Millionen Euro im ersten Jahr. Bis 2030 sollen die jährlichen Ausgaben auf mehr als 400 Millionen Euro steigen. Insgesamt rechnet die Bundesregierung in den ersten vier Jahren mit Kosten von rund 1,2 Milliarden Euro.
Ein Baustein einer größeren Rentenreform
Die Frühstartrente ist Teil eines umfassenderen Reformpakets zur Altersvorsorge. Parallel plant die Bundesregierung unter anderem eine kapitalgedeckte Altersvorsorge für Arbeitnehmer sowie eine Reform der privaten Altersvorsorge.
Ob die Frühstartrente später tatsächlich einen spürbaren Unterschied macht, wird sich erst in vielen Jahrzehnten zeigen. Klar ist aber schon heute: Die Idee dahinter ist, Kindern möglichst früh einen finanziellen Grundstein für das Alter zu legen – unabhängig davon, wie viel Geld ihre Familien selbst zurücklegen können.









