
Mehr Schutz für Kinder und Jugendliche im Netz: Großbritannien geht voran
„Nur noch fünf Minuten …“ – ein Satz, den viele Eltern am Abend nur zu gut kennen. Doch was wäre, wenn TikTok, Instagram & Co. nachts einfach Pause machen würden? Genau das plant Großbritannien: Neben einem Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige sollen künftig auch ältere Jugendliche durch automatische Nachtsperren, deaktivierte Endlos-Feeds und strengere Alterskontrollen besser geschützt werden. Was dahinter steckt und welche Pläne die EU verfolgt, erfahren Sie hier.
Nachdem die britische Regierung bereits im Juni ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige angekündigt hatte, folgen nun weitere Maßnahmen für ältere Jugendliche. Künftig sollen 16- und 17-Jährige soziale Netzwerke nachts nur eingeschränkt nutzen können. Außerdem sollen Funktionen wie Autoplay und Endlos-Feeds standardmäßig deaktiviert werden.
Die neuen Pläne sind Teil eines umfassenden Maßnahmenpakets, das nach Angaben der britischen Regierung im Frühjahr 2027 in Kraft treten soll.
Social Media soll nachts automatisch pausieren
Nach den aktuellen Plänen sollen soziale Netzwerke für 16- und 17-Jährige zwischen Mitternacht und 6 Uhr morgens standardmäßig pausieren. Ziel ist es, nächtliches Scrollen zu reduzieren und damit Schlaf, Erholung und Konzentration zu fördern.
Die Sperre ist allerdings nicht verpflichtend. Jugendliche können sie selbst deaktivieren. Die Regierung setzt zunächst auf eine Voreinstellung, die den Jugendschutz erleichtern soll, ihn aber nicht vollständig erzwingt.
Endlos-Feeds und Autoplay sollen eingeschränkt werden
Neben der Nachtsperre nimmt die britische Regierung weitere Funktionen ins Visier, die Nutzer möglichst lange auf einer Plattform halten. Dazu gehören automatisch startende Videos (Autoplay), personalisierte Endlos-Feeds und weitere Mechanismen, die dauerhaftes Scrollen fördern.
Auch diese Funktionen sollen für 16- und 17-Jährige standardmäßig deaktiviert sein, können jedoch bei Bedarf wieder aktiviert werden. Nach Ansicht der Regierung sollen Jugendliche nicht mit ihrem 16. Geburtstag plötzlich sämtliche Schutzmechanismen verlieren.
Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige
Bereits im Juni hatte die britische Regierung angekündigt, soziale Netzwerke für Kinder unter 16 Jahren grundsätzlich zu sperren. Als Vorbild dient das australische Modell.
Nach bisherigem Stand sollen Plattformen wie TikTok, Instagram, Snapchat, Facebook, YouTube und X unter das Verbot fallen. Messenger-Dienste wie WhatsApp oder Signal sollen dagegen weiterhin erlaubt bleiben, damit Kinder und Jugendliche mit Familie und Freunden kommunizieren können.
Die entsprechenden Regelungen sollen noch in diesem Jahr ins Parlament eingebracht werden. Die Umsetzung ist für das Frühjahr 2027 vorgesehen.
Weitere Schutzmaßnahmen für Minderjährige
Neben dem Social-Media-Verbot sind weitere Einschränkungen geplant. Kinder unter 16 Jahren sollen künftig keine Livestreams mehr starten können. Außerdem soll verhindert werden, dass fremde Personen sie über soziale Netzwerke oder Online-Spiele direkt kontaktieren können.
Für 16- und 17-Jährige sollen diese Funktionen ebenfalls standardmäßig deaktiviert sein. Damit möchte die Regierung verhindern, dass der Schutz mit dem 16. Geburtstag abrupt endet.
Auch beim Thema Künstliche Intelligenz kündigt Großbritannien neue Regeln an: Romantische KI-Chatbots, die intime Beziehungen oder sexuelle Rollenspiele simulieren, sollen ausschließlich Erwachsenen zur Verfügung stehen. Weitere Schutzmaßnahmen für KI-Anwendungen werden derzeit geprüft.
Strengere Alterskontrollen
Damit die neuen Vorgaben nicht leicht umgangen werden können, sollen Plattformen künftig deutlich strengere Alterskontrollen einsetzen.
Die britische Medienaufsicht Ofcom arbeitet derzeit an verschiedenen Verfahren zur Altersprüfung. Gleichzeitig soll die Behörde zusätzliche Befugnisse und finanzielle Mittel erhalten, um die neuen Regeln konsequent durchzusetzen.
Können Jugendliche die Sperren umgehen?
Kritiker weisen darauf hin, dass Alterskontrollen oder Sperren beispielsweise über VPN-Dienste umgangen werden könnten.
Die britische Regierung hat hierzu Untersuchungen angekündigt. Gleichzeitig betont sie, dass VPNs auch legitime Zwecke erfüllen – etwa zum Schutz der Privatsphäre oder für den freien Zugang zu Informationen. Ein Verbot ist deshalb derzeit nicht geplant.
Viele Plattformen erkennen allerdings bereits bekannte VPN-Server oder ungewöhnliche Verbindungen und verlangen zusätzliche Altersprüfungen oder blockieren den Zugriff. Eine vollständige Umgehung lässt sich zwar nicht verhindern, sie kann jedoch deutlich erschwert werden.
Mehr Freizeit statt mehr Bildschirmzeit
Die neuen Regeln sollen nicht nur die Bildschirmzeit verringern. Nach Angaben der britischen Regierung werden gleichzeitig Milliardenbeträge in Jugendzentren, Sportangebote, Kultur-, Natur- und Freizeitprojekte investiert. Kinder und Jugendliche sollen dadurch mehr Möglichkeiten erhalten, ihre Freizeit gemeinsam offline zu verbringen.
Was bedeutet das für Deutschland und die EU?
Auch in Deutschland wird seit Monaten über strengere Regeln für soziale Netzwerke diskutiert. Während hierzulande noch über mögliche Altersgrenzen und Verbote debattiert wird, arbeitet Großbritannien bereits an konkreten gesetzlichen Vorgaben.
Auch auf europäischer Ebene nimmt das Thema Fahrt auf. Die Europäische Union arbeitet an einer einheitlichen Altersverifikation sowie an gemeinsamen Standards zum Schutz Minderjähriger im Internet. Ziel ist es, den Jugendschutz in den Mitgliedstaaten stärker zu vereinheitlichen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat zudem angekündigt, noch 2026 einen Vorschlag für europaweit einheitliche Regeln zum Schutz von Kindern und Jugendlichen in sozialen Netzwerken vorzulegen.
Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur Altersgrenzen, sondern auch Funktionen wie Endlos-Feeds, Autoplay, Livestreams oder die Möglichkeit, von fremden Erwachsenen kontaktiert zu werden.











