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Familienpolitik /15. November 2024

Startkapital für jedes Kind: Für mehr Finanzbildung

Ab dem sechsten Lebensjahr sollen Kinder monatlich Fondsanteile im Wert von zehn Euro erhalten – so der Vorschlag. Bis zum 18. Geburtstag würde sich ein staatlich finanziertes Startkapital von 1560 Euro ansammeln. Bei einer angenommenen durchschnittlichen jährlichen Rendite von vier Prozent könnte dieser Betrag bis zum 18. Lebensjahr auf etwa 2000 Euro anwachsen. Mit Erreichen der Volljährigkeit hätten die Jugendlichen dann die freie Verfügung über dieses Geld ohne Zweckbindung.

Lohnt sich diese Förderung tatsächlich?

Knapp die Hälfte des Vermögens in Deutschland wird nach wie vor konservativ in Sparbüchern oder auf Tagesgeldkonten angelegt – oder bleibt ungenutzt. Der Anteil des Kapitals, das an der Börse investiert wird, liegt hierzulande bei lediglich 27 Prozent, was nur halb so viel ist wie in den USA und auch im Vergleich zu vielen anderen Ländern deutlich zurückfällt. Investitionen in Aktien und Anleihen wären entscheidend für eine solide private Altersvorsorge. Doch vielen Deutschen fehlt es nicht nur an der Bereitschaft, sondern auch am Verständnis der Chancen und Risiken des Kapitalmarktes.

Eine solide Finanzbildung befähigt Menschen dazu, informierte Entscheidungen über ihre Finanzen zu treffen – was gerade in einer immer komplexer werdenden Finanzwelt von großer Bedeutung ist.

Aktienfond für die Finanzbildung und die Altersvorsorge

Die Mitglieder des Sachverständigenrats werben schon seit Längerem dafür und schlagen vor, ein Kinderstartgeld einzuführen, um die Finanzkompetenz der Bevölkerung zu fördern und eine stärkere Aktienkultur in Deutschland zu etablieren. Der Vorschlag zielt vor allem darauf, die Finanzbildung zu verbessern und auch Familien mit geringen Einkommen den Aufbau von Vermögen zu ermöglichen. Die Idee sieht vor, dass die Bundesregierung monatlich zehn Euro pro Kind im Alter von sechs bis 17 Jahren in einen Aktienfonds investiert. Laut den Ökonomen könnte ein solches Programm praktische Erfahrungen mit den Kapitalmärkten vermitteln.

Die Wirtschaftsweisen gehen davon aus, dass die Finanzmärkte in Deutschland durch eine stärkere Beteiligung der Bevölkerung gestärkt werden. Das könnte nicht nur dem Wachstum aufhelfen, sondern auch die persönliche Altersvorsorge der Menschen stärken. Das Kinderstartgeld würde die im Jahr 2021 eingeführte nationale Finanzbildungsstrategie der Bundesregierung sinnvoll ergänzen. Langfristig schätzen die Experten die jährlichen Kosten des Programms auf etwa 1,5 Milliarden Euro.

Nach dem nun detailliert ausgearbeiteten Vorschlag würden zunächst die Eltern entscheiden, in welchen der staatlich vorausgewählten Fonds die monatliche Förderung für ihre Kinder investiert wird. Ab dem 15. Lebensjahr sollen dann die Jugendlichen selbst über die Form der Geldanlage bestimmen können. Frühestens ab dem 18. Lebensjahr wäre eine Auszahlung möglich. Idealerweise, so hofft der Sachverständigenrat, würden die Jugendlichen auch nach ihrem 18. Geburtstag weiterhin in den Aktienfonds investieren, um langfristig eine private Altersvorsorge aufzubauen. Durch die monatliche Zahlung von zehn Euro von ihrem sechsten bis zu ihrem 18. Lebensjahr erhielte jedes Kind insgesamt 1440 Euro vom Staat. Diese Zahlung soll jedoch an die Inflation angepasst werden, um den realen Wert zu sichern. Der Rat schlägt zudem eine schrittweise Einführung vor, beginnend mit Kindern, die das sechste Lebensjahr erreichen. Im ersten Jahr würden rund 760.000 Kinder von der Förderung profitieren, und die Kosten würden bis 2037 auf etwa 1,5 Milliarden Euro pro Jahr ansteigen, beginnend mit 91 Millionen Euro im ersten Jahr.

Zur Verbesserung der Altersvorsorge hatte der Rat neben dem Kinderstartkapital auch vorgeschlagen, dass Deutschland einen öffentlich verwalteten Pensionsfonds nach dem Vorbild skandinavischer Länder auflegt. In einen solchen Pensionsfonds könnte auch das Startkapital für die junge Generation eingezahlt werden.

Verankerung des Themas im Schulunterricht

Die Bildung von Kindern ist in der Tat primär die Aufgabe von Eltern und Schulen, wobei beide Institutionen eine entscheidende Rolle dabei spielen, Kinder auf das Leben vorzubereiten. Dennoch wird das Thema „Finanzielle Bildung“ oft nur am Rande behandelt oder gar nicht in den Schulunterricht integriert, obwohl es für das spätere Leben von großer Bedeutung ist.

  • Frühe und breite Wissensvermittlung
    Schulen bieten allen Kindern, unabhängig von ihrer familiären Situation, die Möglichkeit, finanzielle Grundkenntnisse zu erwerben, die nicht alle Eltern vermitteln können.
  • Vorbereitung auf reale Herausforderungen
    Finanzielle Bildung in der Schule hilft Jugendlichen, fundierte Entscheidungen in Bezug auf Budgetierung, Sparen und Investieren zu treffen, und schützt vor späteren finanziellen Problemen.
  • Förderung von Eigenverantwortung
    Frühe finanzielle Bildung stärkt die Fähigkeit junger Menschen, Verantwortung für ihre Finanzen zu übernehmen und langfristig für ihre Zukunft vorzusorgen.
  • Generationsübergreifende Vermittlung
    Schulische Finanzbildung kann Wissen über mehrere Generationen hinweg weitergeben, indem Kinder es an ihre Eltern und zukünftige Generationen weitertragen.
  • Verankerung im Lehrplan
    Regelmäßiger Unterricht über Finanzthemen bietet einen strukturierten Rahmen, um finanzielle Verantwortung ähnlich wie in anderen Fächern zu fördern und zu vertiefen.

Haben alle Kinder die gleichen Chancen?

In Deutschland leider nicht. Kinder aus einkommensschwachen Familien haben hier wesentlich schlechtere Bildungschancen – und damit auch geringere Aussichten auf einen erfolgreichen Berufsabschluss. Aktuell gibt es mehr junge Menschen ohne Berufsabschluss als je zuvor. In Deutschland gelten 17 Prozent der 20- bis 34-Jährigen als ungelernte Arbeitskräfte. Sie tragen ihr Leben lang ein erheblich höheres Risiko, arbeitslos zu werden. Der Bildungserfolg hängt oft auch stark davon ab, aus welchem familiären Umfeld man stammt und über wie viele finanzielle Mittel die Eltern verfügen – das ist eine unbestreitbare Realität.

Es gab schon CDU Vorschläge, jedem Kind zum 18. Geburtstag 10.000 Euro als Startkapital zur Verfügung zu stellen. Dieses Geld könnten junge Menschen dann für ein Studium, eine Unternehmensgründung oder als Altersvorsorge verwenden.

Diese Idee ist nicht neu: Schon vor rund einem Jahr brachte die SPD den Vorschlag eines sogenannten Grunderbes von 20.000 Euro für alle 18-Jährigen ins Gespräch. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung bekräftigt die Sinnhaftigkeit eines solchen Startkapitals, da es die „Vermögensungleichheit schneller und spürbar verringern“ könnte.

 

Fazit:

Den größten Effekt hat die Leistung nur, wenn Kinder dabei auch tatsächlich lernen, mit dem Geld umzugehen. Kapitalmarkt- und Börsenspiele sollten in die Lehrpläne aufgenommen werden. Die Lehrkräfte sollten besser in Wirtschafts- und Finanzfragen ausgebildet werden. Das kann zum einen über die Schule erfolgen, was die Wirtschaftsweisen auch vorschlagen, muss zum Großteil aber von den Eltern geleistet werden.

Eltern aus Haushalten mit niedrigem Einkommen haben aber meist selbst nicht das Wissen und nicht die Muße, sich dieses anzueignen, um es an ihre Kinder weiterzugeben.

 

 

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